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Was lange währt, wird endlich gut

Die 59-Jährige sprüht vor Energie, die Worte sprudeln nur so aus ihrem Mund, als sie von ihrer Vergangenheit und – noch viel überschwänglicher – von ihrer neuen Aufgabe erzählt. Man kann sich leicht vorstellen, dass die quirlige Frau – begierig zu arbeiten, ihren Traum zu verwirklichen – keinen Stillstand, keine „Zeitverschwendung“ ertragen konnte. Und doch dauerte vieles, was nach ihrer Flucht aus Syrien im Jahr 2015 kam, eben seine Zeit.
In der alten Heimat hatte die Kurdin als Englischlehrerin an einer Mittelschule gearbeitet. „Es macht mir Spaß, mit Kindern zu arbeiten. Ich mag die Schule, ich mag das Gebäude, ich mag alles“, erzählt Mnwar A. von früher. In Wien schloss sie zunächst den Deutsch-B2-Kurs und die Ausbildung „Bildungswissen-
schaftliche Grundlagen für geflüchtete Lehrkräfte“ ab und bewarb sich dann ab 2020 eigenständig in Kindergärten und Schulen – „als Pädagogin, weil ich wusste, ich kann nicht als Englischlehrerin weiterarbeiten“. Das AMS schickte sie zu verschiedenen Firmen, die Jobs ausgeschrieben hatten, doch alles war vergebliche Liebesmüh, sodass die Hoffnungen der tatendurstigen, aktiven Frau immer wieder enttäuscht wurden. Sie wurde immer mutloser, aber dann – ein Lichtblick: „Ich bin endlich zur Volkshilfe gekommen. Ich war wirklich frustriert und ich hatte keine Hoffnung auf einen Job“, erinnert sich A.. Im Projekt step2job lernte sie Daniela Piskaty kennen – eine Beraterin mit Leib und Seele, die ihr immer wieder Mut machte, sie bei den Bewerbungen unterstützte. Auch wenn Mnwar A. zunächst etwas skeptisch war: „Ich hab‘ gesagt, ich hab‘ keine Chance wegen meines Alters. Und sie hat immer wieder gesagt, nein, du bist nicht zu alt!“

Eine ältere Frau mit dunklen, schulterlangen Haaren im geblümten Kleid

Die Beraterin legte sich für ihre Klientin ordentlich ins Zeug. „Sie hat für mich auch Arbeitgeber*innen kontaktiert“, ist A. immer noch angenehm überrascht über den großartigen Einsatz. „Ich war das nicht gewohnt. Und es war der erste Schritt zu meinem Traum. Sie ging menschlich mit mir um! Sehr aktiv und doch geduldig. Ich hab‘ keine Geduld, ich hab‘ immer gesagt, es ist sinnlos. Und sie hat gesagt, nein, du musst das versuchen! Frau Piskaty ist so eine wunderbare Beraterin.“

„Wir haben viele Bewerbungen geschrieben“, erinnert sich Daniela Piskaty. „Von Pensionistenheimen über Schulen und Horte, alles Mögliche haben wir probiert. Und dann sind wirklich viele Absagen gekommen.“ Nach solchen Fehlschlägen wurde der Lebenslauf immer wieder überarbeitet, aktualisiert, optimiert, neue Fotos wurden gemacht, es gab Workshops für Vorstellungsgespräche – so ging das von Dezember 2020 bis Mai 2021. „Ich habe auch gesehen, dass sie es ernst meint. Dass sie wirklich möchte. Sie hat immer alles schnell erledigt und gesagt: Ich möchte arbeiten“, erzählt die Beraterin.

Mnwar A. war begeistert von ihrer Beraterin Daniela Piskaty.

Schließlich gab es eine freie Stelle als Freizeitpädagogin und Daniela Piskaty half mit den Bewerbungsunterlagen und Dokumenten, unterstützte Mnwar A. während des aufwändigen Bewerbungsprozesses, der aus Vorstellungsgespräch, Gruppenarbeit und schriftlichem Teil bestand. Und es klappte: Die damals 57-Jährige meisterte alle Hürden und bekam noch im Mai 2021 die Zusage! Die nächsten drei Monate vergingen mit Vorbereitungen für einen guten Start in den neuen Job: intensive Computerkurse, Spiele wurden erdacht, Lieder eingeübt und noch vieles mehr. Der Aufwand hat sich mehr als gelohnt: Seit nunmehr einem Jahr ist Mnwar A. als Freizeitpädagogin in einer Volksschule im 18. Bezirk tätig. „Jetzt ist mein Traum erfüllt“, strahlt sie. Und dass die Altersgruppe eine andere ist als sie es gewohnt war, jünger, macht ihr gar nichts aus: „Die Kinder sind braver“, sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln.

Bestens vorbereitet in den neuen Job

Die Projektteilnehmer*innen schätzen den immer freundlichen, unermüdlichen Einsatz der Berater*innen: „Ich schaue immer, dass die Kund*innen etwas mitnehmen, dass ich sie gut vorbereite auf den Neustart“, ist Daniela Piskatys Anspruch an sich selbst. Als Sozialarbeiterin erörtert sie mit den Teilnehmenden auch verschiedenste Probleme, die es den Betroffenen erschweren, sich uneingeschränkt auf die Jobsuche zu konzentrieren – etwa Schulden, Schwierigkeiten mit der Wohnung, Scheidung oder andere prekäre Situationen. Zusätzlich gibt es im Projekt eine Gesundheitsberaterin, eine Psychologin, die bei gesundheitlichen Problemen unterstützt und stabilisiert. Die Betriebskontakterin wiederum sucht passende Arbeitgeber*innen für die Teilnehmenden, die sich zumeist in einer schwierigen Situation befinden, aber dennoch einen Job suchen. Und da reicht die Bandbreite von Akademiker*innen bis zu Hilfskräften, von 21 bis 63 Jahre. „Es wird gemeinsam geschaut, was braucht die Person, in welche Richtung kann man gehen“, erklärt Piskaty. „Und bei Frau A. hab‘ ich mir gedacht, ja, es geht in Richtung Arbeit.“

Mnwar A. ist einfach nur dankbar: „Danke Österreich, dass Sie uns aufgenommen haben, Danke Frau Piskaty, Danke Volkshilfe, Danke an die Gruppe ,Salam Aleikum‘, sie haben uns viel geholfen, auch meinen Kindern – ohne Hilfe hätten wir nicht so viel geschafft, durch die viele Unterstützung konnten wir alle Schwierigkeiten überwinden.“ Und sie erzählt von ihrer Tochter, die als Optikerin arbeitet, und von ihrem Sohn, der den Master in Chemical Engineering abgeschlossen hat. „Ich hoffe, dass ich und meine Kinder diesem Land dienen werden. Wenn Leute so etwas Besonderes für einen machen, muss man immer Danke sagen. Das ist wichtig.“

Mnwar A. wurde beim arbeit plus Wien-Mitglied Volkshilfe Wien step2job beraten und arbeitet in einer Volksschule in Wien-Währing als Freizeitpädagogin.

„Die Unterstützung, die Beratung,
die Freundlichkeit waren wunderbar.“
Mnwar A.
 

„Wir arbeiten immer sehr individuell.“
Daniela Piskaty, Volkshilfe Wien