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Pflanze, Lampe und Büromaterialien auf einem Schreibtisch

Von der Beratenen zur Beraterin

Als Monika W. in der dritten Klasse HAK war, stand sie vor einer besonderen Herausforderung: Sie wurde schwanger. Was tun? Wie entscheiden? Wie soll es weitergehen? Nun, sie entschied sich für ihr Kind, informierte die Schulleitung und erhielt tolle Unterstützung. Die wissbegierige, engagierte Schülerin blieb an der Schule, ging aber in Karenz – insgesamt dauerte ihre HAK-Ausbildung dadurch sieben Jahre. Aber danach hatte sie einen sehr guten Schulabschluss in der Tasche.

Jetzt auf in den Job, das war eigentlich der Plan gewesen. Allein, das war leichter gesagt als getan: „Ich habe viele Bewerbungsverfahren durchgemacht, Assessmentcenter, alles Mögliche“, erinnert sich W. an die schwierige Arbeitsuche. Die Jobangebote passten nicht zu ihr, mangels Berufserfahrung wurde sie immer wieder abgewiesen. Schließlich war sie völlig zermürbt: „Ich habe gesagt, ich kann nicht mehr. Ich will arbeiten!“ So vermittelte sie das AMS zur Wörkerei. „Zuerst haben wir uns gefragt, wieso sie überhaupt bei uns ist, denn sie brachte schon sehr viele Kompetenzen mit und hatte einen guten Schulabschluss“, erinnert sich die stellvertretende Projektleiterin Stefania Ciarella. Es sei aber gar nicht so selten, dass sich HAK- oder HTL-Absolvent:innen nach der Schule nicht vernetzen, nicht gut bewerben können und so nur schwer in einen Job kommen.

Eine junge Frau mit langen dunklen Haaren sitzt an einem Computer


Für Monika W. war der Einstieg bei der Wörkerei ein Befreiungsschlag. „Endlich diesem ganzen Zuhausesitzen entfliehen. Man verliert auch irgendwie das Soziale im Alltag. Von einem Zimmer ins andere gehen, ein paar Bewerbungen schreiben, dann wieder zurück“, beschreibt sie den bedrückenden Tagesablauf, bevor sie am Standort Yppenplatz startete. Sie liebte ihre Arbeit, kreierte begeistert Schmuck aus Recycling-Materialien, beriet im Shop, gestaltete die Schaufenster und half bei Veranstaltungen in der nahen Brunnenpassage. Die junge Frau konnte ihren Lebenslauf ausbauen, in Praktika Berufserfahrung sammeln. Zeitlich musste sie auf ihren kleinen Sohn Rücksicht nehmen: Nachmittags- und Spätdienste waren nicht möglich. Ihre Erfahrungen bestärkten sie in ihrem Wunsch, in der Verwaltung, im Büro zu arbeiten. „Ich bin eine kleine Büromaus“, lacht sie. Und sie zeigte einen starken Willen, setzte sich dafür ein, mit Unterstützung des Wörkerei-Teams ihren Zukunftstraum zu verwirklichen.

„Die Mitarbeiter:innen hier sind alle hoch motiviert“, schwärmt W.. „Sie vermitteln einem: Nichts ist unmöglich!“ Und diese Hoffnung brauchen die Teilnehmer:innen: Viele sind an einem Tiefpunkt, wissen nicht mehr weiter, wollen eventuell auch gar nicht mit sich reden lassen. „Wir haben sehr unterschiedliche Menschen von 18 bis 24 Jahren bei uns“, weiß Stefania Ciarella. „Wir arbeiten sehr individuell, sehr ressourcenorientiert und schauen, was sind die täglichen Herausforderungen, was sind die schon vorhandenen Kompetenzen und Kenntnisse.“ Wichtig ist zunächst, ob Schulden, Mietrückstände, familiäre Probleme oder gar Obdachlosigkeit Hindernisse auf dem Weg zum Job darstellen. „Dann bearbeiten wir konsequent zuerst die Grundlagen, damit alles funktioniert und eine Vermittlung in den Arbeitsmarkt möglich wird“, erläutert die Expertin. Auch die Vermittlungen erfolgen ganz individuell: „Wir haben vom Schönheitschirurgen im ersten Bezirk über Kindergarten und Einzelhandel bis zur Steuerberatung alles“, so Ciarella. Für Monika W. hatte sie einen besonderen Plan: Die Caritas baute gerade größere Projekte auf, für die Beratungs- und Administrationskräfte gesucht wurden. Mittels Praktikum wollte sie der ambitionierten jungen Frau hier eine Brücke in einen dauerhaften Job bauen.

Drei junge Frauen stehen vor einem waff-Rollup
Haben gemeinsam die beste Lösung gefunden: Teamkoordinatorin Gordana Bokic, Monika W. und Stefania Ciarella (Wörkerei)

Und der Plan ging auf, denn die Adminkraft des komplexen CarBiz-Projekts brauchte dringend Unterstützung. Monika Weixler über zeugte im Bewerbungsgespräch – „es war so toll“, informierte sie ihre Beraterin nachher sofort. Und dann legte sich die junge Frau voll ins Zeug: „Ich wollte gleich zeigen: Ich kann arbeiten, ich kann das alles.“ Rasch war allen im Team klar: Diese Praktikantin ist ein absoluter Glücksgriff! „Monika hat sich hingesetzt und in einer Woche schon den Überblick gehabt“, ist Teamkoordinatorin Gordana Bokic begeistert. „Sie hat das Wissen aufgesogen. Und sie war immer proaktiv. Wollte immer noch mehr machen.“ Nach einem Monat erhielt sie einen befristeten Vertrag als Adminkraft.

Als das Vertragsende näherrückte, stellten sich alle die bange Frage: Wie könnten sie es schaffen, die dynamische Frau trotz einschränkender Personalvorgaben weiter zu beschäftigen? Und dann lieferte das Team die perfekte Lösung: Monika W. sollte einfach als Beraterin für die Heimhilfe bleiben und so eine schwangere Kollegin, die sich nach der Geburt ihres dritten Kindes ganz der Familie widmen wollte, ersetzen. Die Projektleitung war rasch überzeugt, Ausbildungspläne wurden geschmiedet – und Monika W. war in ihrem Element: Eine neue Aufgabe, ein dauerhafter, erfüllender Job, besser konnte es gar nicht laufen! „Zurzeit mache ich den Diplom-Lehrgang als Bildungs- und Berufsberaterin. Der endet nächstes Jahr im Jänner“, freut sich die junge Mutter auf neue Erfahrungen. Mit den bereits absolvierten Kursstunden und Zertifikaten hat sie schon jetzt einen Vertrag als Beraterin, ist voll verantwortlich für bestimmte Kooperationspartner:innen, nämlich Ausbildungseinrichtungen, die Heimhilfeausbildungslehrgänge durchführen. Und sie ist rundum glücklich: „Das hier sind alles wunderbare Menschen. Es ist eigentlich schon wie eine Familie hier. Alle unterstützen einander.“

Monika W. war beim arbeit plus Wien-Mitglied Wörkerei beschäftigt und arbeitet jetzt als Beraterin bei CarBiz.

„Ich wollte unbedingt dableiben.“
Monika W.

„Ich bin glücklich, dass wir Monika haben.“
Gordana Bokic,
Teamkoordinatorin CarBiz, Caritas