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Süße Spezialitäten vom Balkan in einer gekühlten Kuchentheke

Vom Zweifel zum Erfolg

In der Fremde eine neue Heimat finden, ist alles andere als leicht. Zur neuen Umgebung, zu neuen Gepflogenheiten kommt auch noch eine neue Sprache hinzu. Brankica K. kann ein Lied davon singen, wie aufreibend ein Neuanfang fern der „alten Heimat“ ist. 2018 kam sie aus Serbien nach Österreich – ohne Sprachkenntnisse hatte sie eine schwere Zeit vor sich. Drei Jahre war sie in Karenz, anschließend suchte sie einen passenden Job. Denn eins war für die fleißige Frau klar: Sie wollte arbeiten, am besten Vollzeit. Die Suche war lang, quälend und schlussendlich zermürbend. „Ich war drei Jahre auf Arbeitsuche“, erzählt sie. Ihre geringen Deutschkenntnisse waren ein großes Hindernis auf dem Weg zum Job. Die zweite Hürde war, wie bei vielen Frauen, die Kinderbetreuung.

Eine Frau mit blondem Kurzhaarschnitt lehnt lässig an einer Kuchenvitrine

Die lange Jobsuche belastete K. sehr, aber sie dachte nicht ans Aufgeben. Über das AMS kam sie schließlich zum FAB. Berater Aref Al Halbuni erinnert sich an die große Herausforderung, für sie einen passenden Job zu finden: „Sie hat zwei Kinder, es war nicht einfach, einen Job im Rahmen ihrer möglichen Arbeitszeiten zu finden.“ Auch das Sprachniveau bereitete ihm Sorgen, zumal er das Problem aus seiner langjährigen Beratertätigkeit nur zu gut kennt. Viele Teilnehmer:innen können ihre Deutschkenntnisse selbst schlecht einschätzen. Überschätzen sich, haben unrealistische Vorstellungen. Suchen mit A2-Niveau nach einer Bürostelle, ob wohl der Kenntnisstand gerade für Reinigung oder Lager reicht. Das war bei Brankica Kovac nicht der Fall, sie traute sich sprachlich fast zu wenig zu.

Der erfahrene Berater setzte alles daran, dass K. möglichst rasch in Kontakt mit Firmen kommt: „Da ist das Ziel, dass die Leute ins Gespräch kommen, die Realität sehen, dass sie mit Vorstellungsgesprächen vertraut werden.“ Bei einer der zahlreichen FAB-projektinternen Jobbörsen mit einem langjährigen Kooperationspartner (Cateringfirma), wurde auch FAB-Betriebskontakter Edin Mujacic, der diese Veranstaltungen organisiert, auf die arbeitsuchende Serbin aufmerk sam. K. hätte sogar eine Stelle in der Küche in Mödling angenommen, wurde aber wieder einmal abgelehnt. Mujacic konnte das überhaupt nicht nachvollziehen. Er setzte sich mit Aref Al Halbuni in Verbindung, um den Kollegen mit seiner Expertise und seinen vielen Firmenkontakten zu unterstützen. „Immer, wenn es einen schwierigen Fall gibt, dann arbeite ich eng mit Edin zusammen und dann finden wir eine Lösung“, setzte Al Halbuni auf bewährtes Teamwork.

Ein älterer Mann mit weißem, schütteren Haar, eine blonde Frau mit Kurzhaarfrisur und ein junger mann mit duklem, vollem Haar und Bart
Vermittlungs-Dreamteam mit Dame: (v.l.) Edin Mujacic (FAB), Brankica K. und Aref Al Habuni (FAB)

Brankica K. wurde von den beiden individuell beraten, besuchte zusätzlich Workshops und Trainings: „Die Bewerbungstrainings haben mir am besten geholfen. Auf welchen Webseiten man sucht, Online-Suche und solche Sachen“, ist sie dankbar für die umfassende Unterstützung. Bezüglich Jobangeboten ließ Edin Mujacic seine Kontakte spielen, verließ sich auf sein starkes Netzwerk an potenziellen Arbeitgeber:innen. „Ich hatte das Stellenangebot schon und ich hab‘ das irgendwie gespürt, da könnte was gehen“, erinnert er sich. Emir Banjanovic, Chef eines Lokals in Wien-Favoriten, suchte tatkräftige Unterstützung. Mujacic, der ihn und seine leckere Pita bereits seit Jahren kennt, rief ihn an und dann ging alles sehr schnell.

Eine Woche später stellte sich Brankica K. vor und startete bereits zwei Tage später ihre Probezeit im Zeljo Grill Burek. Doch sie erwartete, dass sie in der Küche und als Reinigungskraft arbeiten würde. Zu ihrem Erstaunen – gemischt mit aufgeregtem Herzklopfen – wurde sie als Verkaufsmitarbeiterin an der Theke eingestellt. Sie erwies sich als flexibel, war froh, dass sie einen Job gefunden hatte, der mit der Kinderbetreuung vereinbar war. „Ich hatte ein paar Probleme mit der Sprache, aber alle Kollegen haben mir geholfen, auch bosnisch, serbisch, kroatisch gesprochen. Ich war anfangs sehr nervös, wenn ein deutschsprachiger Kunde kam“, blickt sie zurück. Vor allem vor den Telefonbestellungen hatte sie gehörigen Respekt. „Aber es ist dann von Tag zu Tag besser geworden“, machte sie eine Erfahrung, die viele teilen: Sobald man arbeitet, entwickeln sich die Sprachkenntnisse durch die Übung rasant weiter.

Emir Banjanovic ist zufrieden: „Ich habe damals eine Kraft gebraucht. Genau für den Vormittag. Das hat ihr gepasst und auch mir.“ Natürlich gab es Fälle, wo es mit der Arbeitzeit eng wurde, aber sie fanden immer eine gemeinsame Lösung. Banjanovic schätzt seine Mitarbeiterinnen sehr: „Im Verkauf hat sich herausgestellt, dass Frauen viel besser sind als Männer. Sie reden viel und es ist besser, wenn mehr Kommunikation da ist.“ Außerdem würden Frauen sauberer arbeiten – ein Umstand, der gerade für ein Lokal, in dem alles blitzblank sein muss, wichtig ist.

Wenn Banjanovic Personal sucht, wendet er sich direkt an Edin Mujacic, vertraut seiner Expertise vollkommen. Denn dieser weiß genau, was der Zeljo Grill Burek-Chef will, und verspricht: „Lieber empfehle ich dir niemanden, bevor du die Nerven verlierst.“ Servicekraft braucht der Geschäftsführer jedenfalls keine – das erledigt ein süßer kleiner Roboter, der wie aufs Stichwort um die Ecke biegt… Seit nunmehr acht Monaten werkt und wirkt Brankica K. an der Theke des Zeljo Grill Burek auf dem Quellenplatz. Bei Bedarf hilft sie aber auch in einer der bei den weiteren Filialen (Bahnhof City West und Thaliastraße) aus. Obwohl sie sich zunächst ganz etwas Anderes erwartet und Verkauf sogar dezidiert ausgeschlossen hatte, ist sie sehr glücklich in ihrem Job. Zumal es sich doch noch ausging, dass sie sogar wie gewünscht Vollzeit arbeiten kann.

Brankica K. wurde beim arbeit plus Wien-Mitglied FAB beraten und arbeitet jetzt bei Zeljo Grill Burek in Wien-Favoriten.

„Der FAB hat mir super geholfen.“
Brankica K.

„Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut.“
Emir Banjanovic, Geschäftsführer