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Mischpulte und ein Bildschirm

Technik, Theater, Traumjob (sprungbrett für Mädchen* und junge Frauen*)

Über eine steile Treppe – fast sym bolisch für Yasmin N.s beruflichen Aufstieg – führt der Weg zu einem ihrer Arbeitsplätze: ein kleines Kämmerchen, vollgestopft mit Technik. Computer, Mischpulte, Regler, direkter Blick auf Bühne 1. Hier strahlt sie, wenn sie von ihrer Arbeit erzählt, die sie liebt. Seit eineinhalb Jahren ist sie im Dschungel Wien in ihrem Element – und glücklich wie nie zuvor. Doch der Weg hierher war steinig.

2018 kam Yasmin N. als 17-Jährige allein, ohne Familie, aus dem Iran nach Wien – mit „Null Deutsch“, wie sie sagt. Aber dafür mit umso mehr Engagement und Hoffnung. Die ersten beiden Jahre lernte sie Deutsch, dann suchte sie mit Unterstützung des Vereins sprungbrett für Mädchen* und junge Frauen* nach einer Ausbildung. Zunächst machte sie eineinhalb Jahre eine überbetriebliche Lehre als Applikationsentwicklerin: „Aber das war nicht mein Weg.“ Sie kehrte zurück zum sprungbrett, schwärmt von der guten Unterstützung: „Beim sprungbrett bekommt man ab der ersten Sekunde Hilfe.“ Auch heute noch, wenn es ihr mal emotional schlecht geht, kommt sie dorthin, findet immer Verständnis und Beistand: „Die sind alle so lieb. sprungbrett ist mein ,safe place‘. Ich kann immer dorthin gehen.“ In die Dankbarkeit mischt sich Trauer: Bald ist sie zu "alt" fürs sprungbrett...

Eine junge Frau mit Hündchen auf dem Arm sitzt vor Mischpulten und einem Computer

Die Beratungseinrichtung unterstützt junge Frauen und TIN-Personen (trans*, inter*, nicht-binär) von 11 bis 25 ganzheitlich und ressourcenorientiert. „Wir haben viele Angebote, die alle Lebensrealitäten von jungen Menschen betreffen, und können da sehr breit unterstützen“, erklärt Betriebsarbeiterin Rosi Macher. Berufsorientierung ist ein großes Thema: Gemeinsam mit den Teilnehmenden werden Stärken und Schwächen sowie die bevorzugte Arbeitsweise ausgelotet. Die jungen Menschen erhalten viele Informationen, welche Berufe es überhaupt gibt, welche Zukunftschancen sie damit haben. „Und da sind die handwerklich-technischen Berufe auch einkommensmäßig weiter vorne“, erklärt Macher, die bei der erneuten Ausbildungssuche Yasmin N.s erste Ansprechpartnerin war. Ihr erzählte die junge Frau von ihrer Liebe zum Theater, dass sie auch Schauspielerin in der Theatergruppe „Die Fremden“ ist. „Technik und Kunst zusammen“ war ihr erklärtes Ziel. Gemeinsam analysierten sie den Beruf der Veranstaltungstechnikerin: „Um ehrlich zu sein, ich habe nicht gewusst, dass es das gibt, aber als mir Rosi davon erzählt hat, hab‘ ich gedacht: Ich will in diesem Beruf arbeiten.“

Die Betriebsarbeiterin ist beeindruckt, wie sich Yasmin N. dem Beruf genähert hat: „Sie zog die Verbindungen zum Künstlerischen und dem, was sie schon immer gemacht hat. Und hatte gleichzeitig so eine Neugier und Offenheit für die noch unbekannte technische Arbeit. Das machte sie ganz selbständig – das war schön, ihr dabei zuzuschauen.“ Da passte es wunderbar, dass im Dschungel Wien – seit zehn Jahren Kooperationspartner von sprungbrett – gerade eine Lehrstelle frei war. „Und beim ersten Versuch, bei der ersten Bewerbung hab’ ich die Ausbildung bekommen“, lacht N.. Nach zwei Wochen Praktikum startete sie durch. Vom ersten Tag an fühlte sie sich wohl hier, akzeptiert als gleichwertige Mitarbeiterin: „In allen Projekten hat mir mein lieber Chef, der Hannes, auch einen kleinen Teil gegeben. Ich hatte schon im ersten Lehrjahr mein eigenes Projekt", erzählt sie euphorisch. "Für einen Lehrling bedeutet das so viel!"

Drei Frauen lachen fröhlich in die Kamera
Ihnen sind Frauen in der Technik wichtig: (v.l.) Rosi Macher (sprungbrett), Yasmin N. und Alexandra Hutter (GFin und kaufm. Leiterin Dschungel Wien)

Dass sie ihren geliebten Hund „Bella“ zur Arbeit mitbringen darf, macht die Traum-Lehre perfekt: „Ich wohne allein, da ist es ein bisschen schwierig, einen Hund zu haben. Sie kommt nicht mit auf die Bühne, sie bleibt bei meinen Kolleginnen. Und die sind alle so lieb mit Bella! Ich bin vielleicht der einzige Lehrling in ganz Wien, der einen Hund zur Arbeit mitnehmen darf!“

Dschungel Wien-Geschäftsführerin und kaufmännische Leiterin Alexandra Hutter freut sich, dass die junge Frau so glücklich und erfolgreich ist. Der technische Leiter, Hannes Röbisch, beschloss schon vor 20 Jahren, Techniker:innen auszubilden: „Es war ihm wahnsinnig wichtig, dass auch Frauen diesen Beruf ausüben“, erklärt Hutter die Vorgeschichte zur Zusammenarbeit mit dem Verein sprungbrett. „Ich finde es super, dass sprungbrett jungen Frauen die Möglichkeit gibt, in Berufe einzusteigen, die noch sehr stark männlich geprägt sind.“ Übrigens: das Engagement des Dschungel Wien für Frauen in technisch-handwerklichen Berufen wurde auch schon ausgezeichnet – mit dem begehrten amaZone-Award. „Das war schön. Ja, das ist eine Wertschätzung“, ist Alexandra Hutter stolz.

Die Ausbildung zur Veranstaltungstechnikerin hat Zukunft: „Veranstaltungen wird es immer geben, und es gibt Aufstiegschancen“, so Hutter. Und sie erzählt von einer Frau, die jetzt im Volkstheater eine Abteilung leitet und im Dschungel Lehrling war. 

Wenn dann wieder ein Lehrling ausgelernt ist und das „Dschungel-Nest“ verlässt, wird natürlich auch beim sprungbrett nachgefragt, ob es Interessentinnen für die Lehrstelle gibt. Bei der Auswahl vertraut Alexandra Hutter ganz auf die Erfahrung der Beraterinnen. In einem Praktikum können beide Seiten herausfinden, ob die Ausbildung passt. Denn es gehört vieles dazu: auf Leitern steigen, Geräte montieren, Pläne zeichnen, Reinigung, Ordnung halten – und das Künstlerische. Dafür gibt es nach dem Lehrabschluss auch viele Arbeits- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Dieses „Gesamtpaket“ inklusive Aufstiegschancen liebt Yasmin N., dafür ist ihr keine Aufgabe zu schwer. Sie saugt alles Wissen und Können in sich auf, weil sie weiß: „Ich bin auf dem richtigen Weg.“

Yasmin N. wurde beim arbeit plus Wien-Mitglied Verein sprungbrett für Mädchen* und junge Frauen* beraten und macht eine Lehre im Dschungel Wien.

„sprungbrett hat mich liebevoll und gut begleitet.“
Yasmin N.

„Das ist eine ganz tolle Zusammenarbeit.“
Alexandra Hutter, Geschäftsführerin und kaufmännische Leiterin Dschungel Wien