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Ein langes Regal mit asiatischen Gewürzen

Perfektionistin mit viel Potenzial

„Ich habe zuerst vier Jahre im Asylheim gewohnt, dann, nachdem ich Asyl bekommen habe, hat das AMS mir Deutschkurse angeboten“, erzählt die zierliche Frau – dass sie dabei immer ihr Bestes gegeben hat, müsste sie gar nicht hinzufügen, denn das merkt man im Gespräch sofort an ihrer einwandfreien Grammatik, an ihrem riesigen Wortschatz. Nach der B2-Prüfung arbeitete sie ehrenamtlich bei der Diakonie. Insgesamt vier Jahre absolvierte sie Deutschkurse – mittlerweile ist sie auf Niveau C1. Eine Leistung, auf die sie extrem stolz sein kann – für die Perfektionistin freilich reicht das noch lange nicht, aber dazu später mehr.
Um endlich auf dem österreichischen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, wurde Xiao C. vom AMS zu Trendwerk zugebucht. „Ich habe alles, was Trendwerk anbietet, so gut wie möglich genutzt. Ich habe Kurse besucht, Bewerbungstrainings gemacht, bin zu Workshops gegangen“, berichtet sie. Die außerordentlich höfliche und zuvorkommende Frau kann sie gar nicht alle aufzählen, die Menschen, die sie bei Trendwerk so wunderbar unterstützt haben: vom Deutschlehrer, der sogar in seinen Pausen stets für Fragen zur Verfügung stand, bis zum Computerexperten, der immer ein offenes Ohr für sie hatte. Erich Niklas, Personaldisponent bei Trendwerk, erinnert sich noch sehr gut an die äußerst engagierte Chinesin, die alle Informationen nur so aufsog – und an ihre Selbstzweifel, an lange Gespräche über deutsche Grammatik und daran, wie er ihr Mut zusprach vor ihrem ersten Bewerbungsgespräch.

Eine asiatisch aussehende Frau mittleren Alters mit kurzer Pagenfrisur und einem eleganten, roten Oberteil mit schwarzer Jacked

Bei Trendwerk werden die Arbeitsuchenden zuerst bis zu drei Monate beraten. Dabei wird geprüft, ob sie schon bereit für einen Job sind und wenn ja, erhalten sie einen Dienstvertrag. Von hier aus geht’s entweder in eine Weiterbildung oder in intensive Bewerbungsarbeit mit dem Ziel, nach einer Zeit der geförderten Arbeitskräfteüberlassung eine Fixanstellung zu finden. Auch während der Überlassung werden die Teilnehmer:innen auf Wunsch betreut, damit sie in fordernden Situationen nicht voreilig aufgeben. Bei allfälligen Problemen werden Lösungen gefunden – das entlastet und unterstützt auch die Arbeitgeber:innen enorm. Sogar noch nach der Übernahme in den fixen Job können sich die ehemaligen Teilnehmer:innen an ihre Berater:innen wenden und von individueller Nachbetreuung profitieren, was auch den Firmen Vorteile bringt.

Für Frau C. fand Jutta Kellner, die bei Trendwerk schon jahrelang in der Firmenakquise tätig war, einen Teilzeitjob als Aufseherin im Kunsthistorischen Museum. Eine Arbeit, die Xiao C. begeisterte – „das ist meine schönste Erinnerung, dort zu arbeiten“ – aber leider auf drei Monate befristet war. Dann kamen wieder die Zweifel, ob sie einen Job finden würde, auch aufgrund ihres Alters: „Aber Frau Kellner hat nie aufgegeben, sie hat immer gesagt, sie wird auf jeden Fall eine Arbeit für mich finden“, ist die 51-Jährige dankbar für die großartige Unterstützung, die sie bei Trendwerk erhielt. 

Ein älterer Mann mit Glatze und dunkler Brille, eine asiatisch aussehende Frau mittleren Alters udn ein grauhaariger Mann mit kariertem Hemd und blauem Pullover
Erich Niklas (Trendwerk), Xiao C. und Bernhard Kleemann (Trendwerk) können stolz auf ihren Erfolg sein (v.l.)

Und wirklich, bereits drei Monate später wurde eine Stelle gefunden und C. zeigte großen Mut, als sie zusagte, in einem ihr völlig unbekannten Metier zu arbeiten: Sie startete im Nakwon Supermarkt in eine neue berufliche Zukunft! „Eigentlich war ich mir nicht sicher, aber ich dachte mir, ich habe keine Wahl: Mein Alter wird ein Problem, meine begrenzten Computerkenntnisse… Welche Chance hätte ich denn? Also nehme ich die Chance, die ich bekomme, und gebe mein Bestes“, bewies sie ihre Anpassungsfähigkeit. Hauptsächlich arbeitet sie an der Kassa, aber wenn dort gerade nicht so viel los ist, sorgt sie dafür, dass die Regale perfekt bestückt sind. „Ich bin sehr zufrieden mit dieser Arbeit. Wir sind hier eine Familie“, freut sich die fleißige Frau über das Vertrauen und die Freundlichkeit, die das Arbeitsklima bestimmen.

Die Zusammenarbeit von Trendwerk und dem Nakwon Supermarkt, der auch eine Filiale im 2. Bezirk hat, funktioniert schon seit Jahren sehr gut und geht noch auf die Mutter des jetzigen Chefs zurück. Der Nakwon Supermarkt bietet ein reichhaltiges Sortiment an asiatischen Lebensmitteln zu günstigen Preisen – die Auswahl umfasst Köstlichkeiten aus Ländern wie Korea, Japan, China und Indien. Bernhard Kleemann, der ebenfalls in der Firmenakquise tätig ist, freut sich, dass bereits fünf Mitarbeiter:innen von Trendwerk hierher vermittelt werden konnten und dass die erfolgreiche, nachhaltige Kooperation weitergehen wird, wie das in vielen Fällen – vor allem bei Großkund:innen – gelingt. Wichtig dabei ist, das Vertrauen der Kund:innen zu gewinnen und zu bewahren – durch die Vermittlung der richtigen Leute auf die richtigen Positionen. So, wie es auch bei Xiao C. gelungen ist, die sich neben ihrem Job noch weiter engagiert – einerseits in der ehrenamtlichen Arbeit bei der Diakonie, andererseits geringfügig beschäftigt als Übersetzerin bei einem Verein, der chinesische Familien betreut. Zusätzlich ist für sie das Kapitel Deutsch noch lange nicht abgeschlossen: „Ich habe es mir zur Lebensaufgabe gemacht, Deutsch zu lernen.“ Deshalb besucht sie jeden Abend sowie samstags Deutschkurse – auch in der Hoffnung, irgendwann vielleicht doch noch hauptberuflich als Dolmetscherin arbeiten zu können, aber dafür bräuchte sie entsprechende Prüfungen…

Damit nicht genug, ihr Traumberuf ist Schriftstellerin, und so hat sie bereits mehrere Bücher auf Deutsch geschrieben, sprach auf der Frankfurter Buchmesse mit Verlegern – dann kam Corona und so ist sie noch immer auf der Suche nach einem Verlag. Aber so viel kann verraten werden: Bei C.s Hang zum Perfektionismus sind diese Bücher sicher etwas ganz Besonderes!

Xiao C. war beim arbeit plus Wien-Mitglied Trendwerk Integrationsleasing beschäftigt und arbeitet jetzt im Nakwon Supermarkt in Wien-Neubau.

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“ 
Xiao C.

„Hier arbeiten bereits fünf Mitarbeiter:innen, die ursprünglich von Trendwerk kommen“
Bernhard Kleemann, Trendwerk