Neues Zuhause, neue Arbeit, neue Zukunft
Wie so viele seiner Landsleute musste Yasser A. seine Heimat Syrien verlassen. Der Neuanfang in einem Land, dessen Sprache er nicht sprach, war für ihn alles andere als einfach. Aber für den fleißigen Mann stand fest: Er wollte Deutsch lernen, er wollte arbeiten, er wollte hier Fuß fassen und so richtig ankommen in Österreich. Eigenständig suchte der engagierte Syrer nach Arbeit, fand schließlich online ein Stellenangebot des Demontage- und Recyclingzentrums (DRZ) und bewarb sich. Immerhin hatte A. in seiner Heimat als Klimaanlagentechniker gearbeitet – vielleicht gab es ja in einem doch eher technisch orientierten Betrieb wie dem DRZ auch für ihn eine Jobchance. Er wurde zum Bewerbungsgespräch eingeladen und schnell war alles geregelt: Nach einer Probezeit konnte Yasser A. in ein befristetes Dienstverhältnis starten. „Am 1. Februar 2024 hab‘ ich den Vertrag unterschrieben“, erinnert er sich lächelnd an seinen ersten Schritt in den österreichischen Arbeitsmarkt.
Im DRZ sammeln Menschen, die es bei der Jobsuche schwer haben, als Transitarbeitskräfte Arbeitserfahrung, erleben Wertschätzung, erhalten neue Perspektiven. Viele ehemalige Teilnehmer:innen berichten, dass sie hier endlich positive Erfahrungen machten, dass das Arbeiten wieder Spaß machte – nicht zuletzt dank des guten Betriebsklimas. Für die Transitarbeitskräfte gibt es viele Einsatzmöglichkeiten. In der Altgerätezerlegung werden sämtliche Wertstoffe gesichert und weiterverkauft. „Viele Teilnehmende lieben hier besonders das Handwerkliche, das Schrauben“, weiß Arbeitsanleiterin Gülhan Yigit. In der ReUse-Abteilung wiederum reparieren die Mitarbeiter:innen Elektrogeräte wie Radios, CD-Player etc., die dann als geprüfte Second Hand Geräte neue Besitzer:innen finden. Weiters gibt es Beschäftigungsmöglichkeiten als Fahrer:innen, im Büro und in der Reinigung – hier stieg Yasser A. ein. Ein mutiger Schritt in eine neue Richtung, denn in diesem Bereich war er noch nie tätig gewesen. Erleichtert und stolz, endlich wieder arbeiten zu können, begeisterte er alle mit seinem Engagement. „Er wollte unbedingt lernen, war sehr pünktlich und genau“, lobt die Arbeitsanleiterin.
Auch Sozialarbeiterin Monika Weinrichter kann nur Gutes über A. berichten: „Ich habe ihn als netten, engagierten jungen Mann kennengelernt, der halt noch nicht so gut Deutsch konnte. Ich habe das Gefühl gehabt, dass er im österreichischen Arbeitsleben noch nicht ganz angekommen ist.“ Ihr vertraute er auch sein größtes Problem an: Er lebte in einer schimmeligen, überbelegten Wohnung. „Ganz schrecklich. Wir sind das gemeinsam angegangen, haben alle Dokumente zusammengesucht, einen Antrag gemacht, und Gott sei Dank hat Herr A. mittlerweile eine neue Bleibe.“
Diese sozialarbeiterische Unterstützung macht das Angebot von Sozialökonomischen Betrieben wie dem DRZ besonders wertvoll. Dabei werden Herausforderungen bearbeitet, die oftmals massiv sind und viele persönliche Ressourcen der Teilnehmenden binden. Die Sozialarbeiter:innen helfen, diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen, damit die Jobsuche überhaupt angegangen werden kann. Auch bei der Bewerbung selbst werden die Teilnehmer:innen gezielt unterstützt und begleitet. Oft fragen Betriebe bezüglich Personal an, dann werden vielversprechende Kandidat:innen ausgesucht und auf ihr neues Arbeitsfeld vorbereitet. Die Arbeitgeber:innen ersparen sich so das aufwendige Recruiting: Sie erhalten bestens vorbereitete Mitarbeiter:innen und werden noch dazu über allfällige Förderungen informiert. In Praktika oder bei der Arbeitskräfteüberlassung können Betriebe und potenzielle Mitarbeiter:innen einander kennenlernen und unverbindlich feststellen, ob die Zusammenarbeit klappt.
Über die Arbeitskräfteüberlassung gelang auch Yasser A. der Einstieg bei den Wiener Volkshochschulen. Im Rahmen einer Kooperation startete er in der VHS Meidling in der Reinigung und Haustechnik und begeisterte mit harter Arbeit und seiner verantwortungsvollen, aufmerksamen Art. Und dann war das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite: An einem anderen Volkshochschulstandort wurde einer der begehrten unbefristeten Arbeitsplätze frei und wurde A. angeboten. Einziger Wermutstropfen: Er musste die Niederlassung in Meidling, seine Arbeitskolleg:innen, mit denen er sich so gut verstand, verlassen. Bis zum Freiwerden der Stelle half er noch in der VHS Landstraße aus und dann kam der große Tag: Yasser A. startete als fixes Mitglied im Reinigungsteam der Volkshochschule Ottakring! Hier fühlt er sich wohl, die Arbeit gefällt ihm, und auch das Arbeitsklima passt perfekt: „Meine Kolleg:innen sind nett. Und Direktor Thomas Laimer ist auch sehr nett. Und Frau Zorica Jakupović!“ Letztere leitet die Reinigungskräfte an und ist mit Yasser A.s Leistung sehr zufrieden. Er kennt das Haus bereits wie seine Westentasche und bereut es keinen Augenblick, sich auf einen Neuanfang in der Reinigung eingelassen zu haben.
Der lernwillige Mann hat noch einiges vor, möchte sich weiterentwickeln. Zunächst plant er, sein Deutsch zu verbessern: „Erst einmal B1 machen“, erklärt er, „und dann eine Ausbildung vielleicht.“ Yasser A.s Ziel ist es, sich in Richtung Klimaanlagentechnik weiterzubilden und so in einer Zukunftsbranche an seine berufliche Vergangenheit anzuschließen. Für den Moment aber freut er sich, dass sein Einstieg in den österreichischen Arbeitsmarkt so gut geklappt hat. „Ich bin sehr glücklich“, sagt er und man merkt: Nun ist er wirklich angekommen.
Yasser A. war beim arbeit plus Wien-Mitglied DRZ – Demontage- und Recyclingzentrum beschäftigt und arbeitet jetzt in der VHS Ottakring.
„Beim DRZ hat man mir immer geholfen.“
Yasser A.
„In der VHS waren alle so begeistert von Herrn A.“
Monika Weinrichter, DRZ