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Fassade des Gasthauses Bauer mit Schriftzug

Mutig in ein neues, selbstbestimmtes Leben (MICHLS Café Restaurant)

Lächelnd sitzt sie im urigen Gastraum des Gasthauses Bauer in Wien-Erdberg. Große Tische, viel dunkles Holz, vertäfelte Decke, eine alte Schank mit Gläsern und Bierzapfhähnen, auf handgeschriebenen Tafeln werden die Spezialitäten angepriesen – eben ein traditionelles Wiener Wirtshaus. Hier hat M. einen dauerhaften Job gefunden, der sie erfüllt – sie ist angekommen. 

Ursprünglich kommt sie aus dem Iran. Dort war sie Lehrerin, unterrichtete fünf Jahre lang Hygiene an einer Grundschule. Das bereitete ihr große Freude, sie liebte ihren Beruf. Später war sie als Konditorin tätig und versuchte Profisportlerin zu werden. Als ihr Mann, der schon längere Zeit in Wien war, sie 2014 nach Österreich holen wollte, zögerte sie nicht. Gleich nach ihrer Ankunft besuchte Neda M. einen Deutschkurs, wollte sich in der neuen Heimat verständigen können, Arbeit finden. Umso überraschter war sie, als sie bemerkte, dass ihr Mann sich verändert hatte: Er wollte nicht, dass sie Arbeit suchte – fast 11 Jahre war sie nur zuhause, auch um ihren mittlerweile neuneinhalbjährigen Sohn zu betreuen.

Eine junge Frau mit langen Haaren lehnt sich lächelnd an eine Theke

Doch Neda M. wollte arbeiten – oftmals kam es deshalb zum Streit. Dann wurde sie vom AMS zu MICHLS vermittelt, um hier eine Qualifizierung in der Gastronomie zu starten. Sie wollte endlich in der österreichischen Arbeitswelt durchstarten, doch daheim wurden die Konflikte heftiger. Mutig stand sie zu ihrer Entscheidung. „Das war eine wirklich gute Chance, die ich bekommen habe“, resümiert sie heute. 

Im MICHLS Café Restaurant war zunächst Geschirrspülen angesagt, aber die erfahrenen Arbeitsanleiter:innen erkannten M.s Potenzial und teilten sie bald für anspruchsvollere Tätigkeiten ein. Bereits nach zwei Monaten durfte sie kochen – stolz berichtet sie: „Meine Chefin hat gesagt: ,Du musst kochen, du kochst sehr gut.‘“ Der Job füllte sie aus, sie war zufrieden und ihre Beraterin sprach mit ihr über Deutschkurse, mögliche Jobs und Karrierechancen – die neuen Ideen fielen bei der engagierten Frau auf fruchtbaren Boden.

„Das MICHLS ist vor allem für alleinerziehende Mütter eine gute Sache, weil es zu Zeiten geöffnet hat, zu denen die Kinderbetreuung üblicherweise gut gesichert ist“, weiß Outplacerin Sylvia Edelmann. In den verschiedenen Arbeitsbereichen – von Restaurant über Catering bis zu den Cafés in drei Pflegewohnhäusern der Stadt Wien – werden die Teilnehmer:innen gemäß ihren Fähigkeiten eingesetzt, können viel ausprobieren, werden individuell gefördert. Wer hier beschäftigt ist, muss deshalb nicht das gesamte Arbeitsleben in der Gastronomie bleiben. Im Gegenteil, die Teilnehmer:innen werden unterstützt, alle bereits erworbenen 
Erfahrungen, Qualifikationen und Ausbildungen zu nutzen. „Das MICHLS steht dafür, den Blick zu erweitern, Chancen zu ermöglichen und zu geben“, erläutert Edelmann. „Und wir schauen ganz genau auf die Vorgeschichte: Wo komm‘ ich her und was soll’s werden?“ 

Ein Mann und zwei Frauen in einem Schanigarten
Perfekte Zusammenarbeit: Franz Kraft (Inhaber des Gasthaus Bauer), Neda M. und Sylvia Edelmann (Outplacerin bei MICHLS)

Neda M. zum Beispiel hätte sich auch eine Karriere in der Pflege vorstellen können, hatte aber eine Prüfung zur Pflegeassistentin nicht bestanden. Als Alternative orientierte sie sich in Richtung Gastronomie. Inzwischen spitzten sich die Konflikte daheim weiter zu, dreimal suchte sie im Frauenhaus Schutz. Das blieb natürlich auch den Berater:innen nicht verborgen. „Ich habe Unterstützung bekommen, um rauszukommen“, erinnert sich die mutige Frau dankbar. „Ich habe Arbeit, eine gute Arbeit, und ich habe eine eigene Wohnung mit meinem Kind – es ist wirklich geglückt.“ 

Dass Neda M. im Gasthaus Bauer anfangen konnte, war ein echter Glücksfall – für beide Seiten: Inhaber Franz Kraft suchte nach neuen Mitarbeiter:innen und ist froh, dass ihm Sylvia Edelmann die tüchtige Frau empfahl. Der Kontakt zum MICHLS entstand übrigens zufällig: Ein MICHLS-Mitarbeiter ging mehrmals täglich am Lokal vorbei, man kam ins Reden und seit damals wendet sich Kraft bei der Personalsuche gerne an den Sozialökonomischen Betrieb. Ein Mitarbeiter, der schon länger bei ihm ist, kommt ebenfalls aus dem MICHLS, ein weiterer wurde vor Jahren durch Job-TransFair vermittelt. „Es ist ziemlich mühsam, über andere Kanäle jemanden zu bekommen“, weiß der Gastronom. Bei den Sozialen Unternehmen schätzt er neben der unkomplizierten Vermittlung vor allem die Praktika: „So ist es möglich, die Leute zumindest im kleinen Rahmen, also ich glaub‘, das sind 28 Stunden, kennenzulernen und zu wissen: Okay, da können wir was draus machen. Oder: Es macht keinen Sinn.“ So überzeugte auch Neda M., die mit einer Kollegin aus dem MICHLS in der Küche des Traditionsgasthauses gestartet hatte, ihren zukünftigen Chef, dass sie als fleißige Küchenhilfe gut ins Team passt.
 
Seit Dezember 2024 arbeitet sie mittlerweile im Gasthaus Bauer in der Küche, manchmal beim Abwasch: „Ich mache fast alles: Putzen, vorbereiten, wo ich gebraucht werde.“ Dank der eingeschränkten Öffnungszeiten ist der Vollzeitjob auch mit der Betreuung ihres Sohnes, der eine Ganztagsschule besucht, bestens vereinbar. Ihren neuen Alltag genießt die tapfere Frau, obwohl sie manchmal, wenn sie an ihren Weg hierher denkt, noch ein mulmiges Gefühl hat. Regelmäßig spricht sie mit einer Beraterin, die sie stets fragt, ob es ihr gut gehe. „Und es geht mir gut. Ich habe keinen Stress mehr und ich habe Arbeit. Das ist sehr wichtig für mich. Das Leben geht weiter“, lächelt Neda M.. „Und ich möchte gerne in diesem Restaurant bleiben, und vielleicht später, wenn es möglich ist, noch eine Ausbildung machen.“

Neda M. war beim arbeit plus Wien-Mitglied MICHLS Café Restaurant beschäftigt und arbeitet jetzt im Gasthaus Bauer in Wien-Landstraße.

„Bei MICHLS wurde mir wirklich geholfen.“
Neda M.

„Ich werde weiter mit MICHLS zusammenarbeiten.
Diese Projekte haben eine gute Berechtigung.“
Franz Kraft, Gasthaus Bauer