Jetzt läuft‘s wie geschmiert
Konzentriert beugt sich Mohammad H. über den geöffneten Motorraum eines schwarzen SUV – routiniert und präzise hantiert er im Herz des Wagens. Mit geschickten Handgriffen findet und behebt er fachkundig den Fehler. Man merkt sofort: Er liebt seine Arbeit! „Vom ersten Tag an war klar, dass das ein Bursche ist, der motiviert ist, der arbeiten will. Der über den Tellerrand hinausschaut und nicht nur sein Schema F abarbeitet, sondern sich auch wirklich etwas dabei denkt“, streut Christina Pichler von Hödlmayr Urban Logistics ihrem jungen Mitarbeiter Rosen: „Und er geht auch diesen extra Schritt, um die Kunden zu friedenzustellen, um seine Arbeit gut zu machen“. Der angesprochene junge Mann lächelt ein wenig verlegen, aber doch stolz. Sein Prinzip lautet: „Wenn ich meine Arbeit nicht gescheit mache, dann brauche ich sie gar nicht machen.“
2016 kam der Perser aus Afghanistan nach Wien. Gerade einmal 16 Jahre war er alt und stürzte sich gleich ins Deutschlernen. Bis Niveau B1 hat er es auf Anhieb geschafft, daneben noch ein wenig gekellnert und in Sommerjobs gearbeitet. Für den Pflichtschulabschluss in Wien war er bereits zu alt, also suchte er eine Lehrstelle. Ein Jahr nachdem er seine KFZ-Mechaniker-Lehre gestartet hatte, begann die Corona-Pandemie. Viele Firmen entließen Mitarbeiter:innen, nahmen keine Lehrlinge mehr auf. Schließlich erhielt er bei Jugend am Werk die Chance, seine Ausbildung fortzusetzen.
Nach der bestandenen Gesellenprüfung freute sich Mohammad H. auf seine erste dauerhafte Arbeitsstelle. Mit dem Zeugnis in der Tasche müsste es doch einfach sein, einen passen den Job zu finden. Mindestens 30 Bewerbungen verschickte er innerhalb von dreieinhalb Monaten und verzweifelte fast: „Viele Firmen haben nicht einmal geantwortet.“ Seine Sozialarbeiterin riet ihm, sich bei dieWerkstatt, einem Sozialökonomischen Betrieb von Trendwerk, zu bewerben. Zunächst befürchtete H., er müsste wieder von vorne anfangen, wieder als Lehrling arbeiten. Doch man versicherte ihm, dass er als Ausgelernter beschäftigt würde: „Die haben zu mir gesagt, sie haben Kontakt zu anderen Firmen, sie können schnellstmöglich eine Firma für mich finden, wo ich arbeiten kann.“
Das machte ihm Mut und der junge Mechaniker war froh, dass er bei dieWerkstatt die Erfahrung sammeln konnte, die von den meisten Arbeitgeber:innen unbedingt verlangt wird. „Das ist für mich damals so komisch gewesen“, resümiert H.: „Wenn mich niemand als Arbeiter nimmt, wo soll ich diese Erfahrung sammeln?“ Egal, jetzt erhielt er eine neue Chance, war begeistert, dass er wieder reparieren, seinen Traum leben konnte. „Für mich war es egal, welche Firma, welche Automarke. Ich wollte einfach in diesem Bereich weiterarbeiten“, erzählt er. Die Werkstatt sei aufgrund ihrer vielen Firmenkontakte super für Jugendliche, die „da draußen“ Probleme hätten, Arbeit zu finden. „Bei Herrn H. hat sich schnell gezeigt, dass er was kann. Aber Menschen müssen in die Tätigkeit hineinfinden und sie brauchen auch das Selbstvertrauen“, erläutert Betriebsleiterin Martina Kollmann.
Deshalb unterstützen bei dieWerkstatt „g’standene“ Mechaniker:innen mit teilweise über 20-jähriger Berufserfahrung bei der Qualifizierung. Die Teilnehmer:innen werden komplett ins Team integriert, erleben, dass sie wichtig sind. Sie haben ihren Aufgabenbereich, lernen, dass man sich voll auf sie verlässt. Über Praktika und Überlassungen können sie dann vor allem Firmen, die mit Fahrzeugen oder Technik zu tun haben, kennenlernen und idealerweise dort dauerhaft andocken. Vermittelt wird aber erst, wenn das Werkstatt-Team davon ausgeht, „dass es keine Bruchlandung gibt“, verspricht Kollmann. Das schätzt auch Christina Pichler besonders an der Zusammenarbeit mit dem Sozialen Unternehmen: „Wenn wir Personal suchen, ist Martina die erste Anlaufstelle. Sie weiß, was wir brauchen. Und Martina schaut dreimal, ob es passt. Da weiß ich einfach, dass ich mich darauf verlassen kann. Wir spielen immer mit offenen Karten.“
So bekam auch Mohammad H. innerhalb kürzester Zeit seine Chance: Martina Kollmann organisierte ein Praktikum bei Hödlmayr Logistics. „Der Herr H. hat sich gleich so fürchterlich gefreut, dass das ganz überwältigend war“, sagt Kollmann gerührt. „Und er war so begeistert, wollte nicht mehr weg.“ Das sei „etwas Wunderbares“, wenn sie sehen, wie gut alles klappt. Damit die Vermittlung für alle Beteiligten passt, halten sie während der Überlassung engen Kontakt, um unterstützen zu können, falls es doch Probleme oder Missverständnisse gibt.
Das war bei Mohammad H. nicht notwendig. „Das sind tolle Menschen, die ich da getroffen habe“, schwärmt der leidenschaftliche Mechaniker. Besonders gerne erinnert er sich an ein einschneidendes Erlebnis an seinem zweiten Praktikumstag: „Obwohl ich noch nicht direkt bei ihnen gearbeitet habe, haben sie mich gebeten, dass ich zu einer internen Feier dazukomme. Das ist wirklich super für mich gewesen, das werde ich nie vergessen.“ Das sei selbstverständlich, bestätigt Pichler, auch Personen in Überlassung werden vom ersten Tag an voll integriert.
Mittlerweile ist Mohammad H., der zumeist „Mo“ genannt wird, seit einem Jahr fixes Teammitglied. Und er ist glücklich mit seinem Job: „Ich mache Reparaturen, Diagnosetests, alles, was man als Mechaniker bei Autos machen muss.“ Enthusiastisch fügt er hin zu: „Diese Arbeit! Selbst wenn ich mehr als acht Stunden am Tag arbeite – ich werde nicht müde.“
Mohammad H. war beim arbeit plus Wien-Mitglied dieWerkstatt (Trendwerk) beschäftigt und arbeitet bei der Hödlmayr Urban Logistics GmbH in Wien-Simmering.
„dieWerkstatt hat geholfen, dass ich einen
super Job gefunden habe – Danke.“
Mohammad H.
„Es war sofort klar, dass wir den Mo haben möchten.“
Christina Pichler, Teamleiterin Produkt- und Projektmanagerin