Haupttreffer nach 20 Jahren (die Caterei)
Das leise Klappern von Geschirr, fröhliche Stimmen – in der Kantine der Willi Resetarits Bildungs einrichtung in Wien-Floridsdorf herrscht entspannte Betriebsamkeit. Noch ist der große, blitzsaubere Speisesaal leer, wartet auf den Ansturm der hungrigen Kinder zu Mittag. „Ich bereite in der Früh für den Kindergarten und die Schulkinder die Jausenboxen vor. Dann wärme ich das Mittagessen“, beschreibt Sabine N. ihre tagtäglichen Aufgaben. „Und dann alles wegräumen, abholen, entsorgen, putzen, die Kolleg:innen unterstützen.“ Sie ist stolz auf ihre Arbeit, glücklich, wieder Wertschätzung zu erfahren.
An die 20 Jahre war die zweifache Mutter zuhause, erlebte Hochs und noch mehr Tiefs. Ihre Chancen am Arbeitsmarkt standen schlecht – fast verlor sie die Hoffnung! Aber starten wir doch am Anfang ihres beruflichen Werdegangs: Sabine N. war jahrelang Verkäuferin, dann als Heimhilfe tätig, probierte einiges aus. Bevor ihr Sohn geboren wurde, arbeitete sie an einem Würstelstand. Nach der Karenz ging sie zurück in den Handel – dank ihres Bruders, der sich an den drei Tagen, an denen sie arbeitete, um den Kleinen kümmerte. „Dann wurde ich krankheitshalber gekündigt. Und dann ist es bergab gegangen, ich war arbeitslos, und in den Verkauf konnte ich als alleinerziehende Mutter nicht mehr“, lässt N. einen kurzen Blick auf ihre damalige Verzweiflung zu.
Da der Sohn in die Schule kam, beschloss sie, ein Jahr daheim zu bleiben. Aus dem einen Jahr wurden mehrere – immer wieder machte sie Kurse. „Aber ich war hoffnungslos.“ Sabine N. bekam noch eine Tochter – wieder Karenz, wieder zuhause. Mit dem Tod ihres Partners traf sie ein schwerer Schicksalsschlag. „Dann hab‘ ich mit meiner Kleinen Probleme gehabt, bin weiter zuhause geblieben.“ Schließlich wurden es 20 Jahre, in denen sie sich trotz einiger Kursbesuche mehr und mehr vom Arbeitsmarkt entfernte. Einmal arbeitete sie ein Jahr bei der Caritas, schlichtete Waren ein, aber auch dieses Dienstverhältnis war nicht dauerhaft. Schließlich wurde sie zur Caterei zugebucht: „Ich hab’ gesagt, okay, ich war noch nie in der Küche, aber ich schau mir das einfach an“, erzählt N.. Sie startete als Trainee, also ganz niederschwellig zum Kennenlernen des Berufsfeldes. Den ersten Tag erlebte sie als katastrophal, sollte sie doch gefühlt „10.000 Paprika“ schneiden! Der aufmerksame Küchenchef bemerkte, dass sie das Team bei anspruchsvolleren Aufgaben unterstützen konnte und ließ sie Brötchen zubereiten. „Und das ist meins. Ab dann ging es bergauf“, lächelt Sabine N..
Der Einstieg bei der Caterei war für sie der Start in ein neues, erfülltes Leben: „Ich war jahrelang zuhause und da ist mir irgendwann die Decke auf den Kopf gefallen – es ist halt immer nur das Gleiche“, blickt sie zurück. „Dort hab‘ ich endlich eine Struktur gehabt.“ Auch das Selbstvertrauen, das Selbstwertgefühl kamen wieder. „Wo man merkt, es braucht dich ja doch irgendwer, wo man sich dann nicht so nutzlos fühlt – einfach arbeiten, helfen“, beschreibt Sabine N., wie sie das Training, die Vorbereitungsphase und der befristete Dienstvertrag zurück ins Arbeitsleben brachten.
Sandra Miska, Outplacerin und Personalberaterin bei der Caterei, erklärt das Erfolgsgeheimnis des Sozialökonomischen Betriebs: In der Caterei wirken alle Bereiche – von der psychosozialen Betreuung übers Schulen, Trainieren und Lernen bis zur Vermittlung – perfekt zusammen. Das Team unterstützt hochprofessionell beim Wiedereinstieg, ermöglicht Erfolgserlebnisse und neue Perspektiven. „Uns ist es wichtig, die Menschen weiterzubringen, ihnen auch etwas zuzutrauen“, sagt Miska. Besonders Teilnehmer:innen, die schon lange arbeitsuchend sind oder Betreuungspflichten haben, profitieren von den geregelten Arbeitszeiten. Nach dem Übertritt in ein dauerhaftes Dienstverhältnis ist eine dreimonatige Nachbetreuung möglich, um den Einstieg für alle Beteiligten möglichst reibungslos zu gestalten.
Die Berater:innen in der Caterei gehen individuell auf die Bedürfnisse der Teilnehmer:in nen ein. So konnte etwa bei Sabine N. der Grad ihrer Behinderung – sie ist schwerhörig – mit 60% amtlich festgestellt werden. Das ermöglichte ihr in der Folge auch den Zugang zu Arbeitsplätzen speziell für Menschen mit Behinderungen. Und das wiederum war ein Riesenglück, denn der Integrative Betrieb wienwork baute gerade einen neuen Schulkantinenstandort in der Bildungseinrichtung Willi Resetarits auf und suchte Personal. „An unseren Standorten haben wir zwischen 70 und 80 Prozent Mitarbeiter:innen mit Feststellbescheid“, erläutert Josef Neuherz, Geschäftsfeldleiter Gastronomie bei wienwork. „Und mir ist wichtig, dass die Leute dann auch wirklich eine Chance bekommen.“
Sabine N. nutzte diese Chance und ist seit mittlerweile fast einem Jahr Teil des Teams. Ihr Chef ist voll des Lobes für die engagierte Frau: „Sie ist wirklich eine Erfolgsgeschichte. Sie ist super. Sie hat die nötige Empathie, sie ist verlässlich – also es gibt nur positive Attribute für die Sabine.“ Die 53-Jährige ist nicht nur aufgrund ihrer Arbeitsleistung eine absolute Erfolgsgeschichte, sondern ist auch für das Funktionieren des gesamten Teams wichtig: „Weil sie einfach die gute Mama ist“, wie Neuherz lächelnd feststellt.
Die „Team-Mama“ selbst geht vollends in ihrer Aufgabe auf und kann stolz sein: Aus der Langzeitarbeitslosigkeit ist sie bereits zur stellvertretenden Verantwortlichen für diesen Kantinen-Standort aufgestiegen!
Sabine N. war beim arbeit plus Wien-Mitglied die Caterei beschäftigt und arbeitet jetzt bei wienwork in der Schulkantine der Bildungs einrichtung Willi Resetarits in Wien-Floridsdorf.
„Wir haben gemeinsam den passenden Job gesucht.“
Sabine N.
„Natürlich werde ich wegen Personal
wieder bei der Caterei anfragen.“
Josef Neuherz,
Geschäftsfeldleiter Gastronomie bei wienwork