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Essig- und Öl-Flaschen

Erfolgsrezept: Chance und Vertrauen

Bäcker hat er gelernt, das gefiel ihm, den Beruf übte er gerne aus, erzählt der junge Mann mit ruhiger, fester Stimme. „Und dann mit der Zeit konnte ich nicht mehr in der Nacht arbeiten, das war für meine Psyche ganz schlecht“, erinnert er sich an den Wendepunkt in seinem Leben, an dem er sich neu orientieren musste. Immer wieder arbeitete er, immer wieder in einem anderen Job. Security, kurz bei der MA 48, immer wieder war er dazwischen arbeitslos – genau weiß er auch nicht, wie lange das so ging. Eigentlich wollte er im Bereich Lebensmittel arbeiten – „und dann bin ich irgendwann im TOP-Lokal gelandet“, sagt er mit einem Lächeln.
Hier erfolgte der Wiedereinstieg in den Job Schritt für Schritt, wie Projektleiter Klaus Ratzenberger schildert. Zunächst startete K. auf einem Trainingsplatz. Trainingsplätze dienen dazu, dass die Teilnehmer:innen nach langer Arbeitslosigkeit wieder einen normalen Tagesablauf bekommen, wieder in ein soziales Umfeld eingegliedert werden. Dreimal in der Woche lernte Jim K. die Arbeitswelt eines Restaurants kennen, durfte sich verschiedene Skills aneignen, die ihm später zugutekommen würden. „Dabei merkt man sofort die Einstellung. Wenn die Einstellung passt, kannst du alles erreichen“, weiß Ratzenberger. Sehr Schnell bekam der engagierte Mann deshalb einen Dienstvertrag und konnte sich auf einem Transitarbeitsplatz beweisen.

Ein junger Mann im schwarzen T-Shirt lächelt in die Kamera

„Zuerst war ich an der Abwasch“, erinnert sich K.. Aber dann ging’s Schlag auf Schlag: Er lernte professionell kochen, was ihm großen Spaß machte, durchlief alle Stationen in der Küche: á la Carte, Salate, die Küchenchefin unterstützen – er war dort zu finden, wo er gebraucht wurde. Neben der Arbeit und dem Lernen in der Küche wurden der Lebenslauf perfektioniert und die Weichen für die berufliche Zukunft des 33-Jährigen gestellt.

Im TOP-Lokal wird großer Wert auf individuelle Unterstützung gelegt, auf Respekt, aber auch auf Konsequenz: Jede:r muss die erforderliche Leistung erbringen, denn der Lokalbetrieb muss funktionieren. Im Gegenzug kommt man den Teilnehmer:innen – soweit möglich – auch entgegen. So wurde etwa bei K. in der Dienstplanung darauf Rücksicht genommen, dass er Kinder versorgen muss. „Jim war immer engagiert“, lobt Klaus Ratzenberger und so konnte er ihn gezielt fördern. „Mir hat gefallen, dass mir dann immer mehr Aufgaben zugetraut worden sind, die nicht jeder machen konnte. Also dieses Hochsteigen, das war super. Dass man mir die Verantwortung gegeben hat, dass mir das Vertrauen gegeben wurde“, sagt K. stolz.

Drei Männer stehen unter einem Baum und lächeln in die Kamera
Teamplayer unter sich: Christoph Punzet (GF Theuer & Punzet), Jim K. und Klaus Ratzenberger (TOP-Lokal)

Dass dieses Vertrauen gerechtfertigt war, stellte Jim K. schon sehr bald unter Beweis: Es wurden zwei Schnuppertage in der Kantine bei Theuer & Punzet (Eventcatering & Betriebsrestaurants) vereinbart – und da zeigte er sein Können, sein Engagement und seine Teamfähigkeit. „Ich bin hierhergekommen und es hat ihnen gefallen. Das ist auch meine erste richtige Küche, wo ich gearbeitet habe“, erklärt er. Nach diesem erfolgreichen Einstieg war die Arbeitskräfteüberlassung der nächste logische Schritt: Dabei können Betrieb und Arbeitnehmer:in einander drei Monate lang genauer unter die Lupe nehmen, schauen, ob die Leistung, die Chemie stimmt. „Drei Monate sind ein guter Zeitraum, dass man sagen kann, ob jemand ein guter Mitarbeiter wird oder nicht. Das ist für ein Unternehmen ein Riesenvorteil“, weiß Theuer & Punzet-Geschäftsführer Christoph Punzet – zumal auch die Kosten jeweils zur Hälfte zwischen Betrieb und Sozialem Unternehmen geteilt werden. 

Nun, die drei Monate waren für Jim K. ein Klacks, schon viel früher stand fest, dass er der Richtige für den Job war. Christoph Punzet: „Jim integriert sich sehr gut im Team. Das Wichtigste ist, dass das Team gut zusammenarbeitet. Ich vergleiche das immer mit einer Fußballmannschaft. Das müssen nicht die 
Top-Spieler sein, aber wenn die gut zusammenarbeiten, dann funktioniert das Spiel, dann funktioniert die Küche.“ 

Ein erfolgreiches Team sind auch das TOP-Lokal und Theuer & Punzet: Seit etwa drei Jahren setzt Christoph Punzet beim Recruiting auf die Expertise des Sozialökonomischen Betriebs. Durch die vielen Vorabinfos weiß er bereits vor dem ersten Arbeitstag, wie die „Neuen“ ticken, ob sie zuverlässig, pünktlich, 
etc. sind und ob es in manchen Bereichen Probleme geben könnte. Er schätzt auch das „Aufbauprogramm“, das sie im TOP-Lokal absolvieren: „Die erkennen schon Lebensmittel, die kennen schon die Namen, auch wenn es mit der Sprache vielleicht noch Probleme gibt – das ist schon wichtig. Und ein gewisses handwerkliches Vorwissen ist auch schon da. Das macht den Einstieg hundertmal leichter.“ Ein weiterer Vorteil ist, dass die Personen den Arbeitsprozess bereits kennen. „Darum ist das für ein Unternehmen eine irrsinnige Erleichterung und Kostenersparnis“, resümiert Punzet.

Gerade erst wurde wieder eine neue Kraft aus dem TOP-Lokal aufgenommen, so wie Jim K. zunächst über Arbeitskräfteüberlassung. K., der jetzt bereits seit einem halben Jahr fix in der Kantine arbeitet, ist mittlerweile in viele Arbeitsabläufe involviert: Am Salatplatz, als Unterstützung für den Küchenchef, in der warmen Küche, in der kalten Küche – und er lernt dabei enorm viel. Dieses Potenzial möchte sein Chef nützen: „Wenn er das einmal gut beherrscht, dann werden wir das sukzessive immer weiter aufbauen“ – und Jim K. lächelt zufrieden. Er freut sich darauf, in diesem Job, in dem auch die Arbeitszeiten für ihn passen, in Zukunft weiter zu wachsen.
Jim K. war beim arbeit plus Wien-Mitglied TOP-Lokal beschäftigt und arbeitet jetzt bei Theuer & Punzet Eventcatering & Betriebsrestaurants in der Kantine in Wien-Donaustadt.

„Ich wusste lange nicht, was ich machen soll.“ 
Jim K.

„Das Gute ist, dass die Leute aus dem TOP-Lokal schon gecastet sind.“ 
Christoph Punzet, Geschäftsführer Theuer & Punzet