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Kinderzeichnungen auf einem Whiteborard

Erfolgreicher Start mit Wiederholungspotenzial

„Ich brauche noch eine Frau Y.“, sagt Amra Veladzic, Chefin von „Die faire Putzfee“, jedes Mal, wenn sie beim „Haus- und Heim service“ des Wiener Hilfswerks wegen Personal anfragt. „Martina Y. ist eine zuverlässige, fleißige und loyale Mitarbeiterin“, streut sie der gebürtigen Tschechin Rosen. Die so Gelobte freut sich: Ihre Arbeit wird geschätzt. Das war nicht immer so, denn lange Zeit bekam sie auf dem Arbeitsmarkt nicht einmal die Chance, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Jetzt ist sie so gar eine Art Aushängeschild für die Leistungen des „Haus- und Heimservice“!

Soeben hat Martina Y. mit einer Frau gesprochen, die gerade als Transitarbeiterin beim Wiener Hilfswerk beschäftigt ist und im Herbst ebenfalls bei der „Putzfee“ anfangen soll. Sie hat Unsicherheiten und Zweifel beseitigt und wird als zukünftige Kollegin weiterhin Ansprechpartnerin sein. Diese anhaltende Erfolgsgeschichte freut Wiener-Hilfswerk-Outplacerin Eva Stemberger enorm: „Mit der ,Putzfee‘ arbeiten wir jetzt über ein Jahr zusammen und das funktioniert sehr, sehr gut.“

Eine junge, blonde Frau mit Brille

Amra Veladzic schätzt am Personal, das sie vom Hilfswerk bekommt, vor allem die große Erfahrung in der Reinigung. Darüber hinaus bekommt sie wichtige Informationen, inwieweit die Kandidat:innen zum Unternehmen passen. „Da herrscht wirklich ein vertrauensvolles Miteinander“, verrät Stemberger. „Ich kann mit Frau Veladzic sehr offen reden.“
Deshalb geht es bei diesen Vermittlungen auch weniger um den Lebenslauf als darum, wie die Outplacerin den Arbeitswillen und die Fähigkeiten der Teilnehmer:innen einschätzt. Für die „Putzfee“-Chefin zählt neben dem perfekten Service auf dem Weg zum „Perfect Match“ noch etwas anderes: „Ich bin froh darüber, schon einige Mitarbeiterinnen zu beschäftigen, die aufgrund ihrer Religion, Herkunft oder der Tatsache, dass sie Kinder haben, sonst sehr schwer einen Job gefunden hätten. Solche Damen haben es, obwohl sie schon beim Hilfswerk gute Arbeit leisten, oft schwer, ins Berufsleben einzusteigen.“
Bei Martina Y. waren die Betreuungspflichten das einzige große Hindernis auf dem Weg zurück in den Job. Ende 2009 war sie nach Österreich gekommen, hatte sich zunächst mit einem kleinen Lokal selbständig gemacht. Als das nicht gut lief, arbeitete sie eine Zeitlang in der Reinigung, bei einem Betrieb außerhalb Wiens. Als sie dann zum zweiten Mal Mutter wurde, kündigte sie – mit zwei kleinen Kindern war das Pendeln unmöglich.

Eine junge Frau mit blonden, zurückgebundenen Haaren und Brille und eine Frau mit kurzen rötlich-braunen Haaren sitzen nebeneinander auf einer Bank und lächeln in die Kamera
Martina Y. und Eva Stemberger sind zufrieden, dass die Zusammenarbeit mit der „Putzfee“ allen nützt.

„Und dann war ich über sieben Jahre zuhau se, habe Arbeit gesucht“, erinnert sich Y. an diese zermürbende Zeit. Das AMS schlug ihr verschiedene Jobmöglichkeiten vor – aber die Arbeitszeiten waren für sie einfach nicht zu schaffen. „Immer ab 6 Uhr oder so – das kann ich nicht“, stand sie vor einem Problem, mit dem viel zu viele Mütter kämpfen müssen. „Mein Mann arbeitet auch ab 4 Uhr – wo soll ich die Kinder hingeben?“ Sie hatte auch kein Netzwerk, das sie unterstützen hätte können. Ihre Familie lebt 100 km entfernt, ihr türkischer Mann hat ebenfalls keine Verwandten in Wien.

Wie gut, dass Martina Y. beim „Haus- und Heimservice“ professionelle Unterstützung fand. Langzeitarbeitslose Menschen werden hier praxisnah qualifiziert und reinigen als befristet beschäftigte Transitarbeitskräfte Privatwohnungen und Büros. Workshops, Bewerbungstrainings, sogar Farb- und Stilberatung bereiten die Teilnehmer:innen auf ihr großes Ziel vor: den Wiedereinstieg in ein dauerhaftes Dienstverhältnis. Dieser gelingt aber nicht nur im Reinigungsbereich – die Vermittlung erfolgt in unterschiedlichste Branchen. „Viele nutzen das als Chance“, erläutert Eva Stemberger. Aus dem Job heraus bewerben sie sich zum Beispiel im Handel oder bei Produktionsbetrieben – natürlich mit Hilfswerk-Unterstützung.

Handel hätte Martina Y. auch interessiert, aber da war wieder das Zeit-Problem. Das Haus- und Heimservice hingegen nimmt bei Arbeits- und Coachingzeiten speziell auf Menschen mit Betreuungspflichten Rücksicht: Die 25 Wochenstunden sind relativ flexibel einteilbar. Und einmal, als es gar nicht anders ging, durfte ausnahmsweise Y.s kleine Tochter zu einem kurzen Termin mitkommen, malte und spielte mit dem Hund der Beraterin. Eine süße Kinderzeichnung auf einem Whiteboard erinnert noch daran. Endlich wieder arbeiten, endlich wieder ein Einkommen – Martina Y. war jedenfalls glücklich beim Haus- und Heimservice. „Ich habe immer das Gefühl gehabt, da ist ein ganz starkes Wollen dahinter“, erinnert sich Stemberger. Viele Bewerbungsschreiben wurden verschickt, an Geschäfte, Fabriken, Reinigungsfirmen – nur wenige Rückmeldungen langten ein.

Dennoch dachten weder Y. noch ihre Beraterin ans Aufgeben. „Wir haben immer gut kommuniziert. Wir haben immer etwas gefunden, was passen könnte. Wir haben einfach alles versucht“, fasst die engagierte Frau zusammen. Unermüdlich recherchierte Eva Stemberger mögliche Arbeitgeber:innen und stieß dabei auf „Die faire Putzfee“. Telefonisch wurde der Kontakt hergestellt, ein einwöchiges Praktikum vereinbart. Dann ging alles schnell: Martina Y. begeisterte ihre Arbeitgeberin und deren Kund:innen auf Anhieb – mit Können, Freundlichkeit und Einsatz. Mehr als ein Jahr ist die zweifache Mutter nun fix angestellt und hochzufrieden: Die Arbeitszeiten erlauben ihr, für ihre Kinder da zu sein. Und ein bisschen stolz ist die 40-Jährige, dass sie „Türöffnerin“ bei der „Putzfee“ war. Mittlerweile haben schon weitere Haus- und Heimservice-Teilnehmerinnen dort eine neue berufliche Heimat gefunden.

Martina Y. war beim arbeit plus Wien-Mitglied Wiener Hilfswerk im Haus- und Heimservice beschäftigt und arbeitet jetzt bei „Die faire Putzfee“.

„Durch das Wiener Hilfswerk hab‘ ich einfach mehr Chancen bekommen.“
Martina Y.

"Ich wünsche mir mehr Frau Ys.“
Amra Veladzic, Inhaberin von „Die faire Putzfee“