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Stoffballen in einem Regal

Eine aufgemöbelte Karriere

Ein großer, lichtdurchfluteter Raum. Stoffballen in allen Farben. Schaumstoffe, Arbeitsgeräte, Industrienähmaschinen. Polstersessel, eine moderne blaue Couch, Stilmöbel, manche schon tapeziert, andere warten noch auf ihr neues Kleid. Auf einem Tisch ein echtes Schmuckstück, fast ein kleiner Thron. Die Armlehnen sind mit goldenen Widderköpfen geschmückt. Es benötigt noch den letzten Touch, um wieder in der noblen Villa, der gediegenen Innenstadt-wohnung – wer weiß das schon – zu glänzen. Sitzmöbel mit Geschichte – und Servet Ü. schreibt diese Geschichte weiter: In der Werkstatt der Markus Fischer GmbH schenkt er den wertvollen und geliebten Stücken ein neues Leben.

Ursprünglich kommt Servet Ü. aus der Türkei, hat dort eine Ausbildung zum Polsterer gemacht, lange in einer Möbelfabrik gearbeitet. Mit seiner Frau wanderte er nach Österreich aus. Seit 17 Jahren sind sie nun in Wien, haben mittlerweile drei Kinder: „Das Leben mit der Familie in Wien ist schön. Auch die Arbeit“, sagt er zufrieden. Obwohl: beruflich lief es leider nicht immer so rund für den talentierten Handwerker…

Ein Mann mit Dreitaegsebart sitzt an einer Profi-Nähmaschine und lächelt in die Kamera

Ganz seiner Ausbildung entsprechend tapezierte Ü. zunächst auch in der neuen Heimat Polstermöbel. Als er diesen Job verlor, sammelte er Berufserfahrung in verschiedenen Branchen: in einem Lager, als selbstständiger Kleintransportunternehmer, in einer Tischlerei als Küchenmonteur. Dazwischen zog es ihn immer wieder zu seinem liebsten Handwerk: dem Tapezieren von Polstermöbeln. Doch 2023 war ein schwarzes Jahr für den fleißigen, engagierten Mann: Was er auch versuchte, niemand wollte ihm eine neue Jobchance geben! Über das AMS kam er zu Job-TransFair: Zunächst wurde sein Lebenslauf aktualisiert, erhielt den letzten Feinschliff. Bewerbungsschreiben wurden geübt – „die Trainerin hat gesagt, das ist schon besser“, war Ü. stolz auf alle Fortschritte, die ihn näher an sein Berufsziel brachten.

Die erfahrene Personalberaterin Birgit Kleinlercher erinnert sich, dass er eine Prioritätenliste für die Jobsuche hatte: Sein Hauptziel war eine Beschäftigung als Tapezierer und Polsterer, Plan B war Tischler und als dritte Option wäre auch noch Lagerarbeiter in Frage gekommen. Diese klare Vorstellung von ihrer beruflichen Zukunft haben bei weitem nicht alle Teilnehmer:innen bei Job-TransFair. Viele haben lange nicht gearbeitet oder können in ihrem angestammten Beruf nicht mehr tätig sein. „Wir setzen uns da sehr genau mit den Leuten auseinander, schauen, was sie wollen und was überhaupt möglich ist“, erläutert Kleinlercher.

Ein Mann mit grauen Haaren, ein Mann mit Dreitagesbart und eine Frau mit langen, dunklen Locken stehen hinter einem Zuschneidetisch
Großartige Zusammenarbeit: Firmeninhaber Markus Fischer, Servet Ü. und Beraterin Birgit Kleinlercher (Job-TransFair)

Diese Interessen und Möglichkeiten werden in der KÜMMEREI, dem Sozialökonomischen Betrieb von Job-TransFair, ausgelotet. Die Teilnehmer:innen können sich in der Praxis erproben und beweisen. In Buffet oder Verkauf, Tischlerei oder Näherei, Büro oder IT-Bereich sammeln sie Arbeitserfahrung, erleben Wertschätzung und Anerkennung, erhalten neue Perspektiven. Servet Ü. war überglücklich, dass er in der Holzwerkstatt endlich wieder handwerklich tätig werden konnte. Der Arbeitsanleiter war begeistert von seinem Können und hätte ihn am liebsten weiter beschäftigt…

Aber natürlich liegt der Fokus in der KÜMMEREI auf der Suche nach einem dauerhaften, nachhaltigen Dienstverhältnis. Unzählige Bewerbungen schickte Servet Ü. mit Unterstützung seiner Beraterin aus. „Aber dann gab es immer wieder Absagen beziehungsweise war nicht klar, ob da etwas draus wird oder nicht“, schildert Birgit Kleinlercher die frustrierende Situation. Ü. suchte auch eigenständig und einmal, da hätte es fast ge klappt: Über einen Bekannten versuchte er, einen Job bei einem Möbelhersteller zu bekommen – aber auch das endete mit einer Enttäuschung. Schließlich entdeckten sie eine Stellenanzeige der Markus Fischer GmbH. Ein Raumausstattungsbetrieb – diese Chance musste genutzt werden!

Die Bewerbung wurde abgeschickt, ein paar Tage später rief die Beraterin den Firmengründer Markus Fischer nochmals an, um nachzufragen. Servet Ü. aber war so begeistert von dieser Jobmöglichkeit, dass er direkt zu seinem Wunschbetrieb hinfuhr. „Er ist einfach so reingekommen, ohne Termin“, erinnert sich Fischer an die erste Begegnung mit dem hochmotivierten Mann. Der Chef war zwar erstaunt, sah das aber eher als positives Zeichen für Ü.s Engagement. Schließlich gab es noch ein offizielles Vorstellungsgespräch, ein Praktikum wurde vereinbart.

Servet Ü. überzeugte mit Können, Eifer und Einsatz, konnte im Rahmen einer Personalüberlassung weiterarbeiten. Der erfahrene Polsterer passte perfekt ins Team, er liebte seinen neuen Aufgabenbereich, also war der unbefristete Arbeitsvertrag fast nur mehr eine Formalität. Mittlerweile ist der 44-Jährige fast ein Jahr im Betrieb beschäftigt. „Er ist sehr pünktlich, verlässlich, ist überall dabei, packt an“, lobt ihn sein Chef. Begeistert ist Markus Fischer auch von der Zusammenarbeit mit Job-TransFair, kennt er doch die Probleme bei der Personalsuche aus eigener Erfahrung. „Aber hier, da hat alles Hand und Fuß, die sind wirklich engagiert, stehen voll dahinter“, konstatiert er. Natürlich werde er in Zukunft wieder auf die Unterstützung durch Job-TransFair setzen: „Alles läuft sehr unkompliziert.“ Servet Ü. ist glücklich: Mit den Kolleg:innen versteht er sich bestens, seine Arbeit erfüllt ihn. „Bodenlegen, Parkett, Tapeten, Garnischenmontage, Jalousien“, zählt er auf. Und natürlich seine persönliche Lieblingsaufgabe: Polstersessel mit viel Geschick und dem besonderen G’spür wieder „aufmöbeln“ und ihnen neues Leben einhauchen.

Servet Ü. war beim arbeit plus Wien-Mitglied DIE KÜMMEREI (Job-TransFair) beschäftigt und arbeitet jetzt bei der Markus Fischer GmbH in Wien-Penzing.

„Dankeschön an Job-TransFair für die Hilfe.“
Servet Ü.

„Die Zusammenarbeit mit Job-TransFair
hat super funktioniert.“
Markus Fischer, Firmeninhaber