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Ein Plakat der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege

„Das war die beste Entscheidung meines Lebens“

Energiegeladen betritt Jeannine B. die Räumlichkeiten der WRK-Zentrale in Wien-Erdberg. Sie strahlt Zuversicht, Kompetenz und Freundlichkeit aus. Man kann sich vorstellen, wie sich ihre Klient:innen freuen, wenn die ausgebildete Heimhelferin zu ihnen in die Wohnung kommt, um sie zu unterstützen. Sie hilft beim Duschen, allgemein bei der Körperpflege, erledigt den Haushalt, geht einkaufen und kann ganz besonders gut zuhören. Hinter jeder Türe wartet ein anderer Mensch, eine andere Situation auf die motivierte Frau. „Man lernt so viele verschiedene Leute kennen. In diesem Beruf wird es nie langweilig“, sagt B. lächelnd. „Und das ist das Gute, es ist immer etwas anderes.“

Eigentlich hat Jeannine Bier Friseurin gelernt. Doch sie wurde früh schwanger, konnte diesen Beruf nicht ausüben. Immer wieder arbeitete sie in einem Supermarkt, meist samstags, aber das funktionierte wegen ihrer kleinen Tochter nicht dauerhaft. Sie wurde arbeitslos, suchte vergeblich einen neuen Job. Von einer Bekannten hörte sie vom Projekt Visitas. „Sie hat gemeint, dass das eine gute Jobmöglichkeit für mich ist, und ich wollte mir das anschauen“, erzählt Jeannine Bier.

Eine junge Frau mit roten, schulterlangen Locken im Rot-Kreuz-T-Shirt vor dem Rot-Kreuz-Logo

Visitas beschäftigt arbeitsuchende Frauen für einen befristeten Zeitraum von 6 Monaten im Besuchsdienst. Nach einer kurzen Ausbildung unterstützen die Mitarbeiter:innen Menschen mit entsprechendem Bedarf durch Einkaufsdienste, begleiten sie zu Terminen, machen gemeinsame Spaziergänge und nehmen sich Zeit für Gespräche und Spiele. Für viele ist das die Vorstufe zu einer Heimhilfeausbildung. „Bei uns können die Frauen in den Gesundheits- und Pflegebereich einsteigen und mit mehr Zuversicht, Mut, Selbstbewusstsein und Aussicht auf einen langfristigen und sicheren Job wieder aussteigen“, freut sich Petra Hillebrand, Personalentwicklerin und stellvertretende Bereichsleiterin bei Visitas. Sie kann sich noch gut an Jeannine B. erinnern: „Sie war als Kursteilnehmerin bei einer kleinen Büro-Weihnachtsfeier. Ich spürte ihre Unsicherheit und kam mit ihr ins Gespräch. Schnell erkannte ich ihr Potenzial und ihre Motivation, obwohl sie große Sorge hatte, dass sie als Alleinerzieherin einer damals achtjährigen Tochter keine Chance hätte.“ Für die lang jährige Beraterin war jedenfalls klar: Sie würde B. auf ihrem Weg begleiten und mit all ihrer Erfahrung unterstützen, sollte sie sich für eine Heimhilfe-Ausbildung entscheiden.

Jeannine B. stieg in den Besuchsdienst ein und blühte auf. Sie verstand sich mit den Kund:innen ausgesprochen gut, hatte immer ein gutes Gefühl dabei: „Das war das Ausschlaggebende, warum ich gesagt habe: Ich will das jetzt hauptberuflich machen.“ Und sie wusste genau, worauf sie sich einließ, war doch ihre Tante bereits seit 15 Jahren als Heimhilfe tätig. 

Ein großer Mann mit roten Haaren und Bart, eine junge Frau mit roten Locken und eine Frau mit blondem Haar und Brille vor einem Rot-Kreuz-Mosaik
Pflege und Betreuung ist ihre Berufung: Bereichsleiter Alexander Eder, Jeannine B. und Teamleiterin Alexandra Wagner

Zu ihrem Glück startete beim Wiener Roten Kreuz gerade die erste Heimhilfeausbildung in Teilzeit – 30 Wochenstunden (statt 40), dafür mit einer Dauer von vier Monaten statt drei. Für sie als Alleinerziehende waren die Ausbildungszeiten perfekt, sie konnte ihre Tochter von der Schule abholen, mit ihr Hausaufgaben machen, sie unterstützen und  abends, wenn das Kind schlief, konnte sie für Tests und die Abschlussprüfung lernen. „Mich haben ihre Zuversicht und ihre Zielstrebigkeit sehr beeindruckt“, lobt Hillebrand. „Und was mir besonders gefallen hat: Ihre Tochter war begeistert, hat der Mama gut zugeredet und war stolz auf sie.“ Derart gecoacht musste einfach alles gutgehen – und so wurde Jeannine B. gleich nach Ende der Ausbildung Anfang 2025 als Heimhilfe vom Wiener Roten Kreuz übernommen. Durch die flexiblen Einsatzzeiten ist auch der tägliche Spagat zwischen Arbeit und Kinderbetreuung zu meistern. Teamleiterin Alexandra Wagner ist hochzufrieden mit der jungen Frau: „Obwohl Frau B. alleinerziehend ist und bestimmte Arbeitszeiten hat, springt sie ein, Abenddienste zu übernehmen oder wenn ein Klient Zusatzbedarf meldet – sie ist eine der Ersten, die sich meldet.“

Die Tochter von Frau B. ist mittlerweile fast 10 und tüchtig, trotzdem wurde in weiser Voraussicht ein kleines Betreuungsnetzwerk geschaffen: Vater und Schwester von Frau B., aber primär ihr Lebensgefährte unterstützen sie enorm. „Das ist die Herausforderung bei uns: Wir haben von 6 Uhr in der Früh bis 20 oder 21 Uhr, offiziell sogar 22 Uhr unsere Betreuungszeiten“, weiß Alexander Eder, Bereichsleiter Pflege und Betreuung beim Wiener Roten Kreuz. „Da muss die Teamleitung immer einen guten Kompromiss schließen.“ Insgesamt sind etwa 360 Mitarbeiter:innen allein in der Heimhilfe beschäftigt – mehr als 25 kommen von Visitas. Dabei wird genau darauf geachtet, wie das Dienstverhältnis bei Visitas gelaufen ist und wie groß die Zufriedenheit von Vorgesetzten und Klient:innen war. Und natürlich muss der Aufnahmetest bestanden werden. „Der Vorteil bei Visitas ist, dass die Teilnehmerinnen das WRK und die Tätigkeit bereits kennen, ebenso unsere technischen Systeme, am Handy und mit der Software“, begrüßt der Bereichsleiter den Einstieg über Visitas. Die persönliche Entwicklung von Mitarbeiter:innen wird stets forciert: Einige Mitarbeiterinnen kamen von Visitas, arbeiteten eine Zeitlang als Heimhilfe und absolvierten anschließend sogar die Pflegeassistenzausbildung. Und dann gibt es weiterführend noch die Diplomausbildung, eventuell mit Pflegestipendium…

Vorläufig ist Jeannine B. vollends zufrieden mit ihrem derzeitigen Job: „Ich habe schon viel gemacht in meinem Leben“, sagt sie, „aber jetzt erst fühle ich mich richtig sicher in dem, was ich mache.“

Jeannine B. war beim arbeit plus Wien-Mitglied Visitas beschäftigt und arbeitet jetzt als Heimhilfe beim Wiener Roten Kreuz.

„Wenn man das will, dann ist das machbar.“
Jeannine B.

„Frau B. ist in meinem Team die dritte Mitarbeiterin von Visitas – und alle drei zusammen sind weiterhin im Unternehmen beschäftigt.“
Alexandra Wagner, Teamleiterin WRK