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Pinseln

Das Perfect Match ist eine Kunst (Caritas SÖB)

Petra S. war viele Jahre als Fachtrainerin tätig – zuerst beim BFI, dann beim ipcenter. Als ausgebildete Malerin, Anstreicherin, Trockenbauerin und Stuckateurin bringt sie umfassendes handwerkliches Know-how mit – von der Fliesenverlegung bis zur Tischlerei. Als sie die Verantwortung für ein Pflegekind übernahm, änderte sich ihr Leben grundlegend. Der Säugling hatte besondere Bedürfnisse. S. blieb zu Hause, um sich rund um die Uhr kümmern zu können. „Ich war ehrlich gesagt ziemlich überfordert“, gibt sie heute offen zu. An Arbeiten war zunächst nicht zu denken und auch später schien die Suche nach einer dauerhaften Stelle aussichtslos, denn der Kleine hat erhöhten Unterstützungsbedarf und benötigt viele Therapien. „Man hat echt Probleme, wenn man ein Kind hat, überhaupt ein kleines Kind, dass man irgendwann eine Arbeitsstelle kriegt“, bedauert Petra S.. Auch all die Kurse, die sie nebenher besuchte, von Bewerbungs- bis zu ECo-C(European Communication Certificate)-Kursen, brachten keinen Erfolg.

Eine blonde Frau lehnt sich lässig an einen Farbkübel - in der rechten Hand hält sie eine Malerwalze.

Schließlich buchte das AMS sie zum Caritas SÖB zu, denn dort gibt es Trainingsplätze, auf denen die Teilnehmer:innen wieder in die Arbeitswelt hineinschnuppern können. „Es sind ganz unterschiedliche Themen, warum Leute schon länger arbeitslos sind. Bei Frau S. waren es die Betreuungs-pflichten, bei anderen ist es zum Beispiel die Gesundheit“, weiß Victoria Fieglmüller, Beraterin des Caritas SÖB. Die Teilnehmer:innen können sich in den Bereichen Kreativtechnik und Instandhaltung ausprobieren, einmal schauen, was sie schaffen können, wieder Mut fassen und Selbstbewusstsein gewinnen.

Petra S. war zunächst in der Kreativtechnik tätig. Zwei Tage pro Woche, jeweils sechs Stunden, das ließ sich mit ihren Betreuungspflichten gut vereinbaren und es kehrte wieder ein Stück Normalität zurück in ihr Leben. Zu lange hatte sie es vermisst zu arbeiten, ehemals gewohnte Dinge zu tun. „Zu Hause bricht man ja zusammen“, sagt sie schaudernd. Und nun war es wieder da, das Bewusstsein, etwas zu leisten und dafür Lob und Anerkennung zu bekommen. „Endlich wieder das Schöne am Arbeiten, weil das hatte ich eigentlich gar nicht mehr“, erinnert S. sich an die Zeit, in der sie einfach nur „funktioniert“ hat. „Das Gefühl zu haben, dass man gebraucht wird, das war schon viel wert für mich.“ Hätte sie drei Wünsche frei gehabt, wäre wohl einer gewesen, für immer beim Caritas SÖB zu bleiben. Nun, vorerst ging dieser Wunsch in Erfüllung, die 43-Jährige musste dafür aber den Trainingsbereich wechseln, war nun in der Instand-haltung, wo es vor allem um kleine Reparaturen geht. S. entdeckte ihre handwerklichen Fähigkeiten wieder und konnte das Team mit ihrer Expertise unterstützen.

Selbstverständlich dreht sich aber auch im Trainingsbereich des Caritas SÖB alles darum, berufliche Perspektiven zu entwickeln. Die Berater:innen durch-forsten alle möglichen Stellenanzeigen – vom e-Jobroom des AMS über diverse Plattformen. Und dann geschah es: Da war die eine Stellenausschreibung, welche ihr Fachanleiter Hannes Leitgeb gefunden hatte und die perfekt für Petra S. passte!

Ein Mann und zwei Frauen lächeln in die Kamera
Haben das "Perfect Match" geschafft: Stephan Staudigl, Petra s. und Viktoria Fieglmüller

Quasi auf der „anderen Seite“ dieser Stellenausschreibung saß Stephan Staudigl, Leiter der Abteilung Gebäudetechnik und Sicherheit an der Universität für Angewandte Kunst. Seit Jahren versuchte er bzw. sein Vorgänger, ein ganz besonderes Kunststück zu Wege zu bringen: Die 20-Stunden-Planstelle „Maler:in“ dauerhaft zu besetzen. Für die meisten Bewerber:innen war die Arbeitszeit – und damit das Gehalt – zu gering, aber eine 40-Stunden-Stelle war budgetär nicht möglich. So blieb der Posten meist unbesetzt…

Damit sich das ändert, setzte Victoria Fieglmüller alles daran, dass Petra S. sich auf diese Stelle bewarb. Und dann wäre die Bewerbung fast noch in letzter Minute daran gescheitert, dass Petra S. die Unterlagen per Post geschickt hatte! Die erfahrene Beraterin allerdings wusste, dass bei großen Firmen und auch Universitäten fast ausschließlich Online-Bewerbungen berücksichtigt werden. Rasch wurde alles digitalisiert und online eingereicht.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Stephan Staudigl lud Petra S. zum Vorstellungsgespräch und gemeinsam lösten sie ihre beiden Probleme: Die Mutter mit den eingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten durfte ihre Arbeitszeiten sogar selbst wählen und der Abteilungsleiter war endlich die Sorge um die chronisch unbesetzte Stelle los. „Am Anfang war schon Unsicherheit da, aber ich glaube, wir haben sie ganz gut aufgefangen und ihr eine Wohlfühlumgebung geschaffen, wo sie wirklich gut hineinpasst“, zeigt sich Staudigl mehr als zufrieden und wird seine gute Erfahrung mit dem Caritas SÖB für weitere Ausschreibungen an die Personalabteilung weitergeben.

Stephan ist ein richtig guter Chef!“, ist die 43-Jährige voll des Lobs. „Nicht nur, dass er weiß, wie man ein Team führt, sondern auch, dass er für alles eine Lösung findet und für seine Mitarbeiter:innen immer ein offenes Ohr hat. Und das macht unser Team zu sehr guten Mitarbeiter:innen. Ich liebe es, hier zu arbeiten!“, ist die 43-Jährige glücklich mit ihrem neuen Job. „Ich mache so kleine Arbeiten, Malerei – nur beim Räume ausmalen fehlt mir manchmal ein bisschen mehr Farbe“, sagt S. mit einem Augenzwinkern, „weil hier alles in Weiß ist.“

Petra S. war beim arbeit plus Wien-Mitglied Caritas SÖB beschäftigt und arbeitet jetzt als Malerin in der Abteilung Gebäudetechnik und Sicherheit der Universität für Angewandte Kunst.

„Die Arbeitszeiten passen perfekt für mich.“
Petra S.

„Die Besetzung der Stelle war jahrelang ein Problem.“ 
Stephan Staudigl, Leiter der Abteilung Gebäudetechnik und Sicherheit an der Universität für Angewandte Kunst