Barriere? Nein, Karriere! (Unik.at)
„Ich hab‘ ganz normal die Hauptschule gemacht und das Polytechnikum“, erzählt die gebürtige Niederösterreicherin von ihrem beruflichen Werdegang. Anschließend absolvierte sie ein einjähriges Arbeitstraining in Hollabrunn. Dort konnten die Teilnehmer:innen verschiedene Bereiche kennenlernen: Küche, Gärtnerei, Floristik, Reinigung und mehr. „Und danach habe ich eine Lehrstelle gesucht – ganz, ganz, ganz lang“, berichtet Margaretha B.. „Ich habe auch verschiedene Sachen ausprobiert, Praktika gemacht, zum Beispiel in einem Floristikbetrieb.“
Anfangs wusste sie nicht genau, was sie wollte, was sie überhaupt erreichen konnte, denn sie ist zu 80% körperbehindert: Bei der Geburt wurde ein Nerv im rechten Arm abgeklemmt, sodass dieser zunächst schlaff herunterhing. Dank intensiver Physio- und Ergotherapie gelang es ihr, den Arm so weit zu mobilisieren, dass die Behinderung im Alltag kaum auffällt. „Ich hab‘ mir gedacht, ja, schaffe ich schon, dann halte ich eben die Hand ein bisschen anders, aber im Endeffekt war das dann nicht so. Es hat nicht so funktioniert, wie ich mir das gedacht habe, was frustrierend war.“ Floristik hätte sie interessiert, aber beispielsweise Blumensträuße binden funktionierte gar nicht. Gerne wäre die begeisterte Hobbybäckerin Konditorin geworden – der Traum platzte aufgrund ihrer Einschränkung. „Und dann muss man halt umdenken und schauen, okay, das geht halt nicht, dann machst du was anderes, probierst das aus, versuchst etwas anderes“, erzählt Margaretha B. von ihrer unermüdlichen Suche nach dem passenden Beruf. Diese Phase belastete nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Mutter. Die Möglichkeiten waren begrenzt, für junge behinderte Frauen blieb nur die Lehrlingsstiftung Eggenburg als logische Wahl. Dort fühlte sie sich aber schon beim Schnuppertag nicht wohl.
Margaretha B. entschied sich, eine Schule in Wien zu besuchen: die Orientierungsstufe im Schulzentrum Ungargasse, die speziell für Menschen mit Behinderung konzipiert ist. Nach mehreren Praktika hörte sie von der Humanisierten Arbeitsstätte und ihr war klar: Sie wollte eine Ausbildung bei unik.at beginnen. Im Jänner 2018 stieg sie mit dem Lehrvorbereitungskurs ein, parallel arbeitete sie bereits im Büro mit. Die Teilnehmenden werden von Arbeitstrainer:innen unterstützt, die auf ihre Interessen, Fähigkeiten und Kenntnisse eingehen und mit ihnen gemeinsam passende Ziele erarbeiten: B. wusste gleich, was sie wollte, und startete im September die dreijährige Lehre zur Bürokauffrau.
unik.at begleitet die Lehrlinge während der gesamten Lehrzeit individuell und gezielt: Schwierigkeiten in der Berufsschule können offen angesprochen werden, bei Bedarf erhalten die Auszubildenden Nachhilfe. Die Lehrlingsberaterin sorgt dafür, dass der Kontakt zwischen Schule und Lehrbetrieb gut funktioniert. Besonders schätzte Margaretha B. das alle zwei Wochen stattfindende „Lehrlingsteam“: In dieser Runde konnten die Lehrlinge beispielsweise Referate für die Berufsschule üben, bekamen wertvolles Feedback, tauschten sich aus und profitierten von den Erfahrungen der anderen.
Nach dem erfolgreichen Lehrabschluss „stand ich halt wieder vor der Frage: Okay, was tue ich jetzt? Wohin mit mir?“, erinnert sich Margaretha B.. Zunächst absolvierte sie ein Praktikum in einem Kindergarten, wurde gleich übernommen, arbeitete dort länger als ein Jahr. Schließlich musste sie fest stellen, dass das doch nicht das Richtige für sie ist – der Stress war einfach zu groß. Sie kehrte zu unik.at zurück, wo auch ehemalige Lehrlinge weiterhin beraten und bei der Jobsuche unterstützt werden. Gerade zu dieser Zeit wurde eine besondere Stelle ausgeschrieben: Die Bildungsdirektion Wien suchte eine:n Verwaltungspraktikant:in. Da unik.at und die Bildungsdirektion etwa bei der Besetzung von Schulportiersposten bereits seit Jahren erfolgreich zusammenarbeiten, war für Bischof sofort klar, dass sie sich bewerben und diese Chance nutzen wollte, um in ihrer Wunschbranche Fuß zu fassen.
Ein Jahr lang konnte sich Margaretha B. als Verwaltungspraktikantin beweisen und begeisterte Chefin und Kolleg:innen als „tolle, vielseitige Helferin“, wie Abteilungsleiterin Renate Neuzil es voller Wertschätzung und Zuneigung ausdrückt. „Wir haben jemanden gesucht, der meine Kolleg:innen entlastet“, berichtet sie. Das Praktikum ermöglichte ei nen sanften Einstieg, währenddessen sich Bischof einarbeiten konnte und ihre neuen Kolleg:innen herausfanden, wie sehr sie sich auf die junge Frau verlassen können. „Ich kann Maggie ohne weiteres alleine arbeiten lassen, sie kann sich gut ausdrücken, sie scheut sich nicht, etwas zu fragen und sie ist sehr wissbegierig“, ist Neuzil hochzufrieden. Das Teamwork funktioniert hervorragend.
Das einjährige Verwaltungspraktikum endete im Februar, und ab dem 1. März übernahm B. eine begünstigte Behindertenplanstelle – eine echte Win-win-Situation. Die junge Frau ist in ihrem Job sehr glücklich. Sie unterstützt ihre Kolleg:innen tatkräftig bei zahlreichen Verwaltungstätigkeiten – etwa beim Erstellen von Absageschreiben für Bewerber:innen, dem Versenden, Kontrollieren und Weiterleiten von Grundausbildungsplänen, Arbeitsplatzbeschreibungen und Beurteilungsbögen sowie vielen weiteren Aufgaben. Ihre Behinderung stellt im Büroalltag keine Einschränkung für sie dar. „Aber im Endeffekt hat ja alles, denke ich, irgendwo einen Grund, dass es so läuft, wie es läuft, und wäre es anders gelaufen, wäre ich viel leicht nicht hier“, so ihr Fazit.
Margaretha B. war beim arbeit plus Wien-Mitglied unik.at beschäftigt und arbeitet jetzt in der Bildungsdirektion Wien in Wien-Innere Stadt.
„Bei unik.at wird man während der Lehre begleitet.“
Margaretha B.
„Ich kann nur Positives erzählen,
das ist eine Win-win-Situation.“
Renate Neuzil,
Abteilungsleiterin in der Bildungsdirektion Wien