arbeitplus wien
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Bunte Kugeln in einem durchsichtigen Gefäß - jede Kugel symbolisiert eine Person, die einen Job gefunden hat.

Alles auf eine Karte gesetzt

Heute sitzt Anita K. zufrieden da, genießt den ersten dreiwöchigen Urlaub ihres Lebens: „Ja, wirklich, das hatte ich noch nie“, ist die 51-Jährige selbst noch ganz verwundert, denn im Handel war das unmöglich. Dabei erscheint es fast wie ein Wunder, dass sie überhaupt die Chance bekam, wieder am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Sie erinnert sich genau an den Tag, an dem ihr Leben eine entscheidende Wende nahm: Ausgerechnet an ihrem Geburtstag erfuhr sie aus der Zeitung von der Zielpunkt-Pleite.
Zwölf Jahre hatte Anita K. dort als Feinkostverkäuferin gearbeitet, das Team war wie eine Familie gewesen. Ab dann ging es für sie bergab, wie sie sich mit Schaudern erinnert: „Immer rein und raus beim AMS.“ Auch körperlich ging es ihr nicht gut: „Die Knie, ich habe immer Schmerzen“, sagt sie schlicht. Langes Stehen ist unmöglich, deshalb konnte sie in ihren Beruf als Feinkostverkäuferin nicht mehr zurückkehren. K. musste neu beginnen, machte verschiedenste Kurse, versuchte einfach alles, um wieder arbeiten zu können. „Ich weiß nicht wieso, aber es hat überhaupt nicht geklappt“, gibt sie Einblick in die Hoffnungslosigkeit, mit der sie zu kämpfen hatte. Doch Aufgeben war keine Option: „Ich wollte nicht zu Hause sitzen.“

Immer wieder hatte sie kurzzeitige Jobs, arbeitete geringfügig, dann ein Jahr in der Kleidersortierung bei der Volkshilfe – das schaffte sie körperlich gerade noch. „Ich habe gedacht, vielleicht wäre die Produktion etwas für mich, mit Sitz- und Stehmöglichkeiten“, erzählt sie.

Eine zuversichtlich lächelnde Frau mit weißblonden langen Haaren stütz isch auf einen großen Würfel mit der Aufschrift "Verein zur Förderung von Arbeit und Beschäftigung - FAB"

Schließlich vermittelte das AMS sie zum Projekt Monsun, das arbeitsuchende Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen beim (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt unterstützt. „Zuerst kommt die Gesundheit“, weiß Monsun-Beraterin Judith Wielander. „Die Teilnehmer:innen müssen erst ihre Gesundheit stabilisieren und dann können wir über Arbeit reden.“
So war Anita K. auch bei Fit2Work, einem Angebot zur Unterstützung bei gesundheitlichen Problemen im Berufsleben, machte eine Reha, bevor sie zu Monsun zurückkehrte. Monsun war für Anita K. ein Rettungsanker: Unterbrochen durch Pausen, in denen sie sich in neuen Jobs versuchte, wurde sie insgesamt fast eineinhalb Jahre hier unterstützt. Einmal startete K. mit viel Zuversicht bei einer Verpackungsfirma, doch dort hatte man kein Verständnis für ihre gesundheitlichen Probleme. Ohne Sitzmöglichkeiten wurden die Schmerzen zu groß, sie musste nach nur zehn Tagen kündigen.
Verzweifelt kämpfte sie darum, wieder zu Monsun zu kommen und hatte Glück: „Ich hab‘ immer gesagt, ich will zu Frau Wielander“, bewies sie Entschlossenheit. Anita K. hatte absolutes Vertrauen zu ihrer Beraterin und wollte auch vermeiden, ihre Geschichte immer wieder von Neuem erzählen zu müssen: „Das macht irgendwie traurig.“

Judith Wielander, eine junge, blonde Frau mit Brille, und Anita K. stehen auf einer Terrasse mit Blick über die Dächer von Wien
Anita K. fand mit Unterstützung von Judith Wielander einen Traumjob.

Judith Wielander unterstützte ihre Kundin auch bei der Lösung von finanziellen Problemen und natürlich bei Bewerbungen. „Bei Menschen mit gesundheitlicher Thematik geht es darum, Nischen zu finden“, erklärt sie. Zusätzlich wird über Akquise-Mitarbeiter:innen und bereits bestehende Firmenkontakte gesucht. Bei allen Unterstützungsmaßnahmen legt die Beraterin stets Wert darauf, dass die Teilnehmenden alles, was sie selbst machen können, auch selbst erledigen: „Aber dort, wo nichts geht oder ein Stress-Level entsteht, das auch nicht gesundheitsfördernd ist, nehme ich ihnen das teilweise ab oder zeige ihnen, wie es geht.“ Bei Anita Király war das alles, was mit EDV- und Computerkenntnissen zusammenhängt. Deshalb nutzte sie die dazu angebotenen Workshops und Gruppenangebote sowie „Wie bewerbe ich mich“ und „Wo bewerbe ich mich“. Immer, wenn Anita K. nicht mehr weiterwusste, wandte sie sich an ihre Beraterin: „Mir war das ab und zu schon peinlich, aber sie hat wirklich sehr viel geholfen. Sie war immer für mich da“, ist sie unendlich dankbar. Sie übten alles rund um Bewerbungsschreiben, vor allem per E-Mail. Dabei setzten sie auf Initiativbewerbungen, in denen die benötigten Arbeitsbedingungen gleich direkt angesprochen wurden, um Enttäuschungen auf beiden Seiten zu vermeiden.
„Auf einmal läutet mein Handy. Firma Piatnik“, durchlebt Anita K. noch einmal den Moment, der den Umschwung bringen sollte. Im November 2023 hatten sie eine Blindbewerbung an den Spieleerzeuger geschrieben, und nun im Juni 2024 bekam sie ein Jobangebot! Ein Vorstellungstermin wurde vereinbart und der Chef persönlich führte sie durch das historische Firmengebäude in Wien-Penzing. „Ich hab‘ gesagt, ich habe ein großes Problem. Ich würde Vollzeit machen, aber ich kann nicht so lange stehen“, erinnert sich K.. Das mache gar nichts, sie könne jederzeit sitzen, war die Antwort. Ihr fiel ein Stein vom Herzen.
Das Einzige, was dem neuen Job nun noch im Wege stand, war eine geringfügige Beschäftigung, die für Anita K. immer Sicherheit bedeutet hatte. „Die musste ich aufs Spiel setzen, musste alles auf eine Karte setzen, um nur für Piatnik da zu sein“, erklärt sie.
Die Entscheidung für Piatnik hat sich jedenfalls mehr als ausgezahlt. Anita K. ist jetzt bereits mehr als ein Jahr glücklich in ihrem Vollzeit-Job: „Ich bin in der Produktion. Wir machen Brettspiele.“ Die verschiedenen Arbeitsstationen werden jede Stunde gewechselt, sodass es möglich ist, die Arbeitshaltung zu wechseln und auch zu sitzen. „Also ich spiele den ganzen Tag“, lacht K. fröhlich. „Die Arbeit macht mir Freude, weil die Kinder, die die Spiele bekommen, auch Freude daran haben werden. Doppelspaß heißt das!“
Anita K. wurde beim arbeit plus Wien-Mitglied Monsun beraten und arbeitet jetzt in der Wiener Spielkartenfabrik Ferd. Piatnik & Söhne in Wien-Penzing.

„Judith Wielander war wirklich immer für mich da.“
Anita K.

Wir richten uns danach, was geht und was nicht geht.“
Judith Wielander, Beraterin bei Monsun